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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 2 (1871) · p. Seite 103

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
2 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 103 (sequence 23)
Language
German
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II. Onkelos. 103 5. Wie bereits LuzzaLto (Oheb Ger S. 6 und 9) bemerkt, beschränken sich die Rücksichten der Uebersetzer nicht auf Aussagen von Gott, sondern auch die Ehre der Väter veranlaßt sie zu Umschreibungen, und auch hier dürfte Onkelos am Durchgreifendsten Verfahren. Es hinderte sie, daß Jakob vor Efau fliehe (1 Mos. 27, 43), er soll blos weggehn, und dennoch bleibt auch Onkelos an andern Orten, 35, 1 und 7, bei der wörtlichen Uebersetzung. Auch vor Laban soll Jakob nicht ״fliehen", sondern weggehn (31, 20. 21. 22. 27), desgleichen Israel nicht aus Aegypten (2 Mos. 14, 5). Wenn auch bei Bileam der Ausdruck geändert wird (4 Mos. 24, 11), so hindert wohl das Thargum der Umstand, daß doch Bileam nicht die Flucht zu ergreifen hatte; Wohl aber bleibt die wörtliche Uebersetzung bei Hagar (1 Mos. 16, 6. 8). In dem Vermeiden des Ausdruckes, wo er ehrverletzend sein kann, ist Onkelos achtsamer, obgleich auch die andern Thargume und der Syrer schon Ansätze dazu haben. — Ebenso hindert nur Onkelos der Ausdruck, Jakob habe dem Laban ״das Herz gestohlen" (1 Mos. 31, 20. 26. 27), wie auch der Diebstahl der Therafim durch Rahel, aus dem er ein bloßes Nehmen macht (das. V. 19.30. 32). Ebenso sollten weder Jakob noch seine Söhne ״mit List" Verfahren, sondern ״mit Klugheit" (das. 27, 35 und 34, 13, vgl. Maßorah zur ersten Stelle in Ozar nechmad Bd. IV S. 163). An solchen euphemistischen Aenderungen sind die Uebersetzungen reich, ohne daß man gerade ein entschieden consequentes Verfahren bei ihnen erwarten dürfte. So stellt sich denn im Ganzen heraus, daß das babylonische Thargum, welches den Namen des Onkelos trägt, durchaus nichts wesentlich Eigenthümliches hat; es ist ein später Ausläufer der ganzen Uebersetzerthätigkeit, der eine Revision früherer Arbeiten ist und zugleich nach dem Grundsätze, strenger beim Buchstaben zu bleiben, redigirt worden. Dadurch hat es manchen scheinbaren Vorzug, aber auch sehr große Nachtheile, und verdient es bei Weitem nicht das Ansehn, das es so lange genossen und noch genießt. Es ist von den maßgebenden babylonischen Schulen als offizielle Uebersetzung erklärt worden und mußte daher hohe Geltung erlangen. Diese gieng so weit, daß man ihm eine Maßorah widmete 0, daß Commentare, wie das Pathschegen, für es ausgearbeitet wurden; ף Vgl. über sie Ztschr. der DMG. Bd. XVIII S. 649—657.

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