Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Ü. Onkelos. 93 nimmt auä) Onk. das ליום דיכא in V. 34 aufsetzt es aber vor באוצרי. — Das. V. 36 erweitert jerus. Th. den Sinn von כי אזילת יד, die es frei übersetzt: ״wenn die Stütze von ihrer Hand genommen wird", durch den Zusatz: da der Schlag des Feindes stark wider sie ist; diesen Zusatz nimmt Onk. allein auf, als biete er eine Uebersetzung! Die folgenden Worte ואפס עצור ועזוב gießt vielleicht auch das jerus. Th. I mit Onkelos wieder durch: sie sind zerstreut und verlassen, obgleich aus II hervorzugehn scheint, daß noch daneben eine wörtlichere Uebersetzung bekannt war: und nicht ist der hilft und stützt, die vielleicht in I blos ausgefallen ist. Aber auch außerdem hat I für אפס noch die Deutung: Die Treuen lassen ab von guten Werken, während in Onk. für dieses Wort eine jede Wiedergabe fehlt! Aus dieser reichen Anzahl von Stellen, die sich noch vermehren ließen, ergiebt sich zur Genüge, daß von unserm babylonischen Thargum, das den Namen Onkelos trägt, ein älteres benützt worden ist, das zum Theile noch in dem jerusalemischen Thargum — das erweitert und umgearbeitet vorliegt — erhalten ist, und zwar oft auf sehr ungeschickte Weise. Also Onkelos ist nicht alt, sondern eine spätere, dem 4. Jahrhunderte angehörige Redaction des im Flusse befindlichen Tharguws, welche knapp und wörtlich zu sein beflissen war, aber nicht selten unglücklich dabei verfuhr. — 2. Wir gelangen zu demselben Resultate, wenn wir den Sprachcharakter des unter Onkelos' Namen vorliegenden Thargums betrachten. Man hat in ihm das echte Chaldäisch zu finden geglaubt, hat aber doch in neuerer Zeit bereits erkannt, daß sein Dialekt nicht der in Palästina übliche, sondern der babylonische ist, und während man früher darin einen Vorzug sah, diesen Dialekt als den ursprünglichen betrachtete, erkannte man doch nun, daß er nur der in Babylonien in den dortigen Schulen im 4. Jahr- Hunderte herrschende ist, aber keineswegs als der ältere angenommen werden darf. Aber noch mehr! Sein Dialekt ist durchaus kein rein chaldäischer, was man besonders an ihm zu rühmen pflegte, er ist vielmehr mit einer großen Anzahl von dem hebräischen Texte entnommenen Wörtern angefüllt, die gar nicht aramäisch sind und lediglich aufoctroyirt sind. Es ist charakteristisch für die späteren Versionen, daß sie, die freie Beweglichkeit und Selbstständigkeit der früheren Zeit aufgebend, mit einer großen Aengstlichkeit sich dem Buchstaben anschließen und aus Besorgniß