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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 2 (1871) · p. Seite 86

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
2 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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86 II. Oukelos. Diese Grundsätze, und zwar in noch viel weiterem Umfange, haben von früher Zeit an die Behandlung des Bibeltextes beherrscht, sie haben eine große Anzahl von Umgestaltungen veranlaßt, die erst allmälig bei wachsender Einsicht in die Maßnahmen, welche zur Feststellung unseres Textes vorgenommen wurden, immer mehr erkannt werden; sie haben nicht minder auf die Punctation insluirt, die, wo es gieng, eine Umdeutung vornahm durch eine abweichende Vocalisation bei Festhaltung der Consonanten. Am Weitesten gingen die Uebersetzer, die in ihrer freien Bewegung weniger gehindert waren. Doch trat bald eine gewissenhaftere Scheu vor dem Bibeltexte ein. Man suchte nun wieder den ursprünglichen Text herzustellen und festzuhalten, war sich aber bei einem Theile der Stellen, in denen die Aenderung vollständig durchgedrungen war, dessen gar nicht mehr bewußt, und bei andern konnte die Restauration den herrschenden Bedenken gegenüber nicht zur Geltung kommen. Auch in Betreff der Uebersetzungen verlangte man die Umkehr zu mehr wörtlicher Uebertragung und verpönte die zu freien Umschreibungen, ohne aber die alten Grundsätze zu verleugnen. 1. Das unter dem Namen des Onkelos uns überkommene Thargum zum Pentateuche gehört seinem ganzen sprachlichen Charakter wie seiner Uebersetzer-Methode nach und ebenso gemäß der historischen Bezeugung der Zeit dieser Restaurationsperiode an, es ist das in den babylonischen Schulen des vierten Jahrhunderts zum Abschluß gebrachte Thargum, und man verrückt sich vollkommen den Standpunkt zur richtigen Beurtheilung, wenn man, wie dies noch neuere Bearbeiter *) thun, an der veralteten Ansicht festhält, daß es ״kurz vor der Zerstörung des zweiten Tempels" redigirt worden. Wenn selbst die Stelle Megillah 3 a als ein zuverlässiger historischer Bericht gelten sollte, so würde ein Schüler Elieser's b. Hyrkan und Josua's b. Chananiah, also jedenfalls nach der Zerstörung, das Tbargum bearbeitet haben. Allein bekanntlich hat der treuere Bericht des Jeruschalmi — Akylas, und ist was von der griechischen Uebersetzung des Aquila gilt, von den Babyloniern unter ihnen auch Hr. May bäum in bcr Breslauer Seminar- Preisschrift: Die Authropomorphien n. Auihropopathien bei Onlelos 11. s. w. Breslau, Schütter 1870 (S. 2), deßaleichen Marliu Schultze: Geschichte der altebräischen Literatur, Thorn, Lambeck 1870, S. 8 Anm.

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