Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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n. Onkelos. 85 II. Das nach Onkelos benannte babylonische Thargum zum Pentateuch. Die Betrachtung einer einzelnen alten Uebersetzung der biblischen Bücher kann nur dann mit Nutzen ausgeführt werden, wenn das Verfahren, welches alle alten Uebersetzungen, neben ihnen auch die Punctatoren, und sogar die schließliche Redaction des Textes beobachtet haben, fest im Auge gehalten wird und die Behandlungsweise der einen herausgegriffenen Uebersetzung mit beständiger Rücksichtnahme auf die durchgreifend herrschende Anschauung vollzogen wird. Denn ein Verfahren in der Behandlung der Bibel geht durch das ganze jüdische Alterthum; dieses religiöse Nationalwerk sollte Nichts enthalten, was das feinere religiöse Gefühl, die nationale Empfindlichkeit verletzen könnte, jedenfalls sollten Stellen, welche Anstoß zu geben vermochten, der Oeffentlichkeit entweder gänzlich entzogen oder durch Umdeutung der anstößigen Ausdrucksweise gemildert werden. Die Tradition giebt die dabei leitenden Grundsätze dafür im Allgemeinen an. Man solle, lehrt sie, keine Discussion veranlassen über Stellen, die von Gott und seiner Umgebung in weitläufiger Darstellung sprechen (Merkhabah), den davon Handelnden Prophetenabschnitt nicht öffentlich vorlesen, jedenfalls ihn nicht übersetzen; sie gesteht zu, daß manche Stellen, welche als der Gottheit unwürdig aufgefaßt werden können, geradezu geändert worden seien (Thikkun Soferim), daß ebenso die 70 in der griechischen Uebersetzung sich deßhalb Abänderungen erlaubt haben. Sie verlangt ferner, daß keine Veranlassung zum Nachsinnen gegeben werde, wie die Schöpfung vor sich gegangen, und berichtet, daß auch hier die alexandrinische Uebersetzung vorgebeugt habe. Sie stellt weiter auf, daß Jndecentes, dem gesummten Israel oder seinen Urvätern Schimpfliches gleichfalls der öffentlichen Besprechung entzogen werde, indem theils die Ausdrücke geändert werden, Lheils die Stellen aus der öffentlichen Vorlesung wegfallen, theils wenigstens nicht übersetzt werden oder daß die Uebersetzung umschreibe, und wiederum berichtet sie von den griechischen Uebersetzern, daß dieselben solche Umänderungen vorgenommen.