Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 156)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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152 Umschau. seiner Mühen durch den Ankauf seiner Sammlungen von Seiten der russischen Regierung. Allein der wissenschaftliche Gehalt ward bald offenbar, gelangte immer mehr zur Kenntniß der überraschten Fachgelehrten und Forscher, ist jedoch bei Weitem noch nicht seinem ganzen Umfange nach bekannt und noch weit weniger verwerthet. Seine Entdeckungen alter karäischen Schriften haben zu einer wahren Revolution auf diesem Gebiete geführt, und wenn auch die reichen Mittheilungen Pinsker's aus Firk.'s Schätzen manche Jrrthümer und Uebertreibungen in Gang gebracht, so wird dennoch auch bei einer mehr kritisch geübten Benützung der neu aufgefundenen Schriften noch Belehrendes und Aufhellendes genug übrig bleiben. Noch sind verloren geglaubte Schriften Saadias', von denen er Ueberreste entdeckte, nicht bekannt, noch weniger richtig gewürdigt, und doch müssen sie über die damalige wichtige Uebergangszeit ein neues Licht verbreiten, in welcher man mit dem Versuche begann, aus der Annahme und Anbequemung des Ueberlieferten zur wissenschaftlichen Erkenntniß und methodischen Aneignung überzuleiten. Die Inschriften, welche durch ihn aus alten Bibelhandschriften und sonstigen Documenten bekannt geworden, führen uns in Zeiten hinauf, von denen bisher eine jede Spur verwischt war, bringen uns auch von daher manche überraschende Kunde, und selbst eine vorsichtige Kritik, die über Manches ihre Zweifel und Bedenken nicht zurückzudrängen vermag, wird einen ansehnlichen gesicherten Gewinn nicht in Abrede stellen können. So sind auch über die Beziehung der Chazaren zum Judenthume, namentlich zur dort vorwiegenden karäischen Richtung neue gewichtige Einblicke eröffnet worden. Die alten Grabinschriften aus Dschufut-Kaleh, die uns bis in die Zeit der ersten christlichen Jahrhunderte zurückversetzen, die uns eine nach der Zerstörung des Reiches Israel rechnende Aera vorführen, haben Wohl manche Bedenken wachgerufen; allein sie bleiben feststehende Thatsachen, die die Fortsetzung sorgsamer Prüfung herausfordern 1). Von hervorragender Bedeutung ist zumal seine Entdeckung der alten Bibelhandschriften mit abweichender Punctation und Accentuation, die man nun die babylonische oder assyrische nennt. Sie schienen ein Räthsel, als die erste Kunde ') Vgl. Nachschrift.