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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 151

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 151 (sequence 155)
Language
German
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Umschau. 151 borgenen Geheimnisse nicht ans Tagelicht kommen. Als ich mich nun zur Oeffnung ,der Genisah anschicken wollte, da entstand ein großer Tumult in der Gemeinde, den ich durch freundliche Zurede nicht beschwichtigen konnte. Sie wollten mich von meinem Vorhaben abschrecken, indem sie behaupteten, es sei eine verbürgte Ueberlieferung, mit der Eröffnung der Genisah werde die Pest in der Stadt ausbrechen, wie Dies schon einmal eingetreten sei, sie könnten daher das Unterfangen nicht zugeben, wollten sie nicht selbst an dem Unheil schuld sein, es müßte denn die Obrigkeit den Befehl erlassen. Aber auch auf die Behörden, die auf die Vorzeigung meiner Vollmacht sich mir zur Seite stellten, hörten sie nicht, indem sie ihre abergläubischen Reden wiederholten. Es wurde daher ein tatarischer Arbeiter von der Straße herbeigerufen, um die Genisah mit der Axt einzuschlagen. Auch diesem riefen nun die Rabbaniten tatarisch zu: Hüte Dich die Hand zu erheben, es schwebt große Gefahr über solchem Beginnen, du wirst eines plötzlichen Todes sterben. Der einfältige Mann ließ sich einschüchtern, da schlug ich selbst ein Loch in die Wand der Genisah, und nun machte der Tatar eine große Oeffnung, so daß sie zum Eingänge dienen konnte. Da sahen wir nun Massen von einzelnen Blättern, ganzen Thorahrollen und anderen Büchern, deren Aussehn von hohem Alter zeugte. So ging ich denn, gefolgt von Mose Kasas und Salomo Beim, hinein. Aber wir konnten nur in großer Eile die Untersuchungen anstellen, da die Rabbaniten nicht nachließen zu klagen und zu jammern; sie sahen eben in unserm Thun eine Wiederholung der Tempelzerstörung. So konnte ich nur einen kleinen Theil Schriften herausnehmen, und auch das Herausgenommene mußte dort, mit dem behördlichen Siegel versehen, verbleiben; erst auf meinen Bericht an den Gouverneur brachte dieser die Bücher bei seiner Rückkehr von Kaffa mit 1). Diese und ähnliche Beschwerden überwand jedoch die Hingebung und die Ausdauer des merkwürdigen Mannes. Wir wissen nicht, woher ihm die Mittel zu seinen Reisen und zu seinem Aufenthalte in entlegenen Gegenden, in denen er doch nicht immer Befreundete traf, zugekommen 2); erst spät ward ihm ein Ertrag ') Der oben genannten Sammlung entlehnt. Bergt, nun auch Abue S. 16 f. a) Das neueste Werk giebt darüber genügenden Aufschluß-

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