Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 154)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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150 Umschau. Karäer. Daraus dürfte wohl auch ein heilsamer praktischer Erfolg für die Gesammtheit erwachsen, daß die zwei getrennten Zweige sich wieder vereinigen zu einer Gemeinschaft, da wir der gegenseitigen Anfeindung übersatt. Habe ich früher in meinen gedruckten Schriften irrig gehandelt, so wird ja wer bekennt und abläßt, in Erbarmen aufpnomntmen1). Eine wissenschaftliche Gesellschaft hatte sich zwar zur Förderung seiner Zwecke nicht gebildet, aber auch vereinzelt und auf seine eigenen Kräfte angewiesen, ermattete der in seinen Vorsätzen ausdauernde Mann nicht. Seine Bemühungen wurden durch die Gönnerschaft des damaligen hochsinnigen, Kunst und Wissenschaft liebenden und fördernden Gouverneurs von Südrußland, Graf Woronzoff, dahin unterstützt, daß derselbe ihm eine General-Vollmacht gab, die ihm die Erlaubniß zur Aufsuchung alter Dommente ertheilte und die Behörden aller Orten anwies, ihm in seinem Vorhaben beizustehen 2). So ausgerüstet begann er seine Entdeckungsreisen. Verständnißvoll richtete er bald sein Augenmerk auf die ״Genisah's", die Orte, in welchen die schadhaft gewordenen oder aus andern Gründen beseitigten Handschriften dauernd verschlossen bleiben sollten, in diesen alten vergilbten, bestaubten zurückgelegten Denkmalen vermuthete er wichtige, alte ganz unbekannte Zeugnisse aufzufinden. Aber dort Eingang zu finden erschwerte ihm der Aberglaube, und ohne den Beistand der Behörden wären an der Angst und dem Fanatismus der Bevölkerung, die auch Thätlichkeiten nicht gescheut hätte, seine Bemühungen gescheitert. ״In der Genisah — so berichtet er — unserer neuthalmudischen 3) krim'schen Brüder zu Korosoff befanden sich alte Bibel- Handschriften. Allein ein schwerer Bann war ausgesprochen, daß Niemand es wage, diese Genisah zu öffnen, damit die dort ver- *) Aus einer in meinen Händen befindlichen Sammlung von Collectaneen verschiedener von Firk. und seiner Umgebung herrührender Schriftstücke; die obige Stelle ist im Original in Ozar nechmad I. (Wien 1856) S. 105 Anm. mitgetheilt. Vergl. noch Abne S. 4 s. Nr. 12 Ende. 2) Ausführliches lesen wir nun in Abne S. 8 ff. -) דתלמרדיים ^חדטוים . Firk, nimmt an, daß erst später ein Theil der dortigen Juden sich dem Thalmudismus zugewendet habe, während sie früher alle Karäer gewesen seien.