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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 148

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 148 (sequence 152)
Language
German
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148 Umschau. schritte in der kritischen Beurtheilung treten nicht hervor; an Schmähungen und polternder Heftigkeit kommt er ihnen mindestens gleich, wenn er sie nicht überbietet. Der Umschwung der Zeit läßt sich zwar nicht verkennen, und dennoch vermag er die Schrift nicht auf einen höhern Standpunkt zu erheben. Hier wie in ״Chotham Thoknith" hebt er mit besonderem Wohlgefallen hervor, daß unter den Rabbaniten die Fesseln des Thalmudismus sich lockern, er weist namentlich auf die Städte Berlin, Wien, Brody und Wilna, auf Mendelssohn, Wessely, Krochmal, Perl, Jost, auf die Schriften Bensew's, Reggio's und Anderer hin; er sieht jedoch nicht ein, daß die freiere Stellung, welche innerhalb der rabbanitischen Juden dem Thalmud gegenüber gewonnen worden, eine Entwickelung in geschichtlicher Erkenntniß ist, während die scheinbare Freiheit bei den Karäern ein Product starren Festhaltens an einem längst überwundenen alten Standpunkte ist. — Noch ein neues Motiv tritt stark in den Vordergrund, das gewinnen könnte, wenn man nicht fühlte, daß es vom Parteihasse dictirt worden. Hier wie in den beiden, dem Mibchar jescharim einverleibten Schriften spricht sich eine sehr annährende Gesinnung an ״unsere Brüder, die Söhne Esau's", d. h. an die Christen, ein sehr mildes Urtheil über Jesus und seine Absichten, eine sehr große Anerkennung der von der russischen Regierung in Vollzug gesetzten Maßregeln aus. Man würde die Unbefangenheit in diesen Aeußerungen freudig begrüßen, allein man fühlt nur zu stark heraus, daß einerseits das Buhlen um die Gunst der Regierung die Feder führt — die Karäer wurden 1828 von dem Militärdienste befreit, dem die übrigen Juden unterworfen wurden, — andererseits bitterer Jngrim, der verdächtigend giftige Blick gegen die Rabbaniten Annäherung nach andern Richtungen hin zur Schau stellen läßt. — Und dennoch bereitet sich gerade jetzt in unserm Firkowitsch eine innere heilsame Umwandlung vor. Dem wissensdurstigen, um die Verherrlichung seiner Glaubensgenossenschaft eifrig bemühten Manne hatte sich bereits auf seinen bisherigen Wanderungen im Oriente und während seines nunmehrigen Aufenthaltes in der Krim *) herausgestellt, daß in den alten Wohnstätten der Karäer noch viele handschriftliche Schätze ihrer alten Lehrer vorhanden seien, eine reiche ziemlich in Vergessenheit gerathene Literatur, die ) Bgl. Abne S. 5 Nr. 13.

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