Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 131)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2420973-2421010-2421011--3374-2424062- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Schwarz: Kalender. 127 streng den Neumond durch Zeugenverhör allein einsetzte. Umsomehr geschah Dies später, als man das Sichtbarwerden des Mondes nur berechnete, aber immer wurde berücksichtigt, daß die Berechnung mit dem Monde übereinstimmex), damit es beim Publicum nicht auffallend werde. So sagten sie bei einer Verlegung des Neumondes um einen Tag später: ״um einen Tag merkt es das Volk nicht". (2 (ואכתי חד יובלא לאו אדעתא דאינשי). Im entgegengesetzten Falle, wenn sie den Neumond um einen Tag zu früh einsetzten, heißt es, das Volk wird sagen: ״der Mond muß Wohl sichtbar gewesen sein, nur bemerkten wir ihn nicht". (אתחזויי אתחזי ואכן לאו אדעתין). Allerdings waren die zwei Dchijoth im Talmud schon ein Vorbild für die Begründer des constanten Kalenders in spätern Zeiten, so daß sie noch 2 andere Dchijoth zusetzten, aber daraus ist nicht mit dem Verf. zu schließen, es sei damals schon unser Kalender im Gebrauche gewesen. Der Verf. behauptet, die so genannte Tekufa d. R. Adda sei wirklich von Adda bar Ahabah erfunden worden — gegen alle meine authentischen Beweise. Er findet diesen Adda bar Ahabah im Talmud (Arachin 9) der die kühne Ansicht ausgesprochen habe, daß die Einsetzung des Neumondes nicht geradezu auf Beobachtungen beruhen müsse. Allein der Verf. hat diese Stelle mißverstanden, da unter diesem Ausspruche im Talmud nur verstanden wird, es sei in manchen Fällen beim Einsetzen des Neumondes das Zeugenverhör nicht durchaus nothwendig 3). Selbst dieses wird dort im Talmud gar nicht von Rab Adda gesagt, wie der Verf. citirt, sondern von einem Andern, der dessen Worte so erklärt. Gegen meine Behauptung, daß die Verfasser unseres Kalenders die Hauptgrundlagen des Kalenders nach den astronomischen Tabellen von Ptolomäus genommen haben, sagt der Verf. (S. 43), das sei unhaltbar, weil es doch unerklärlich bleibt, warum sie nicht auch die Längen des tropischen Jahres von Ptolomäus angenommen haben. Ich weiß nicht ob der Verf. hier absichtlich oder blos aus Vergessenheit mir dieses zuschreibt, denn ich sagte eben das Gegentheil, nämlich daß unsre Kalender-Verf. damals ג) Siehe Ießode Ha-Jbbur von Slonimski. Zweite Auflage S. 36. 2) Arachin fol. 9. 3) Siehe Rosch-Haschana fol. 20.