Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2420973-2421010-2421011--3362-2424050- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Helbo 1× ep/1004843
OCR text
Levy: Exegese. 115 falsche Anwendung des Spruches über die Berechtigung des einfachen Wortsinnes, welcher lediglich bei den späten Amoraim vorkommt, aber auch von ihnen in sehr wenig durchgreifender Weise gelehrt und geübt wurde, jedenfalls aber mehr den midraschischen und halachischen Methoden der Pharisäer als einer etwaigen allegorisirenden der Essäer entgegengesetzt wurde. Daher sein unrichtiges Uriheil über die unter dem Namen des Onkelos und des Jonathan vorhandenen chaldäischen Uebersetzungen (Thargume), während er von den griechischen Uebersetzungen sowohl der Septuaginta als des Aquila, Thodotion und Symmachus, der syrischen und der arabischen durch Saadias gar keine Kunde zu haben scheint. Hingegen hält er an seltsamen Einfällen einzelner Gelehrter fest, die in Deutschland längst berichtigt sind, und die er vielleicht um so begieriger aufnimmt, als sie seine nationalen Instinkte befriedigen. So läßt er sich von Rapoport zu der Annahme verleiten, Simon Darschan, der Vers, der sehr schätzbaren Midrasch-Sammlung ״Jalkut", sei ein Bruder des Menachem ben Chelbo, demnach Vater des Josef Kara gewesen, versetzt ihn deßhalb nach dem Departement der Sarthe, während die Grundlosigkeit jener ganz willkürlichen Vermuthungen längst nachgewiesen ist und wir nicht anders wissen, als daß Simon in Frankfurt a. M. lebte. So läßt er mit Grätz den Babylonier Nathan ben Isaak nach Narbonne verschlagen werden, wofür auch nicht das Geringste spricht, wie in Steinschneidert hebr. Bibliographie (Bd. III. 1861 S. 3 f.) sattsam nachgewiesen ist. Während es nun Hn. Levy an der Vertrautheit mit der einschlägigen Literatur sehr fehlt, sein Versuch daher an zahlreichen Lücken, Unrichtigkeiten und Mißverständnissen leidet, von denen hier beispielsweise nur einige angeführt sind, macht er andererseits von den ihm bekannt gewordenen deutschen Arbeiten einen Gebrauch, der doch eigentlich von dem Vorwurfe des Ab- und Ausschreibens nicht leicht freigesprochen werden kann. Denn was Hr. Levy Wichtiges an Material und Bearbeitung beibringt, ist ausschließlich den frühern Arbeiten Geiger's über ״die nordfranzösische Exegetenschule" in Nit'e Na'manim (Breslau 1847) und in Parschandatha (Leipzig 1855) entnommen, während ihm allerdings dessen spätere Arbeiten unbekannt geblieben sind. Diese Benutzung geht so weit, daß selbst die Verweisung auf die in den damaligen christlichen Kreisen herrschende Gesinnung über Bibellesen und 8*