Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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104 Recenfioneu. Vorläufig bemerken wir nur soviel. Der Text ist nach zwei sehr vorzüglichen Handschriften gedruckt, einer in Oxford und einer andern in Rouen; die letztere wurde erst bekannt, als schon mit dem Drucke begonnen war, so daß derselbe unterbrochen und mit Beseitigung des schon Gedruckten nach den bereicherten Hülfsmitteln neu begonnen wurde. Auch die handschriftliche hebr. Uebersetzung des Werkes ist, wo es erforderlich, zur Feststellung und Berichtigung des Textes benützt. Beide Handschriften haben den großen Vorzug, daß sie auch Glossen haben, welche des Interessanten nicht wenig bieten. Das Werk Abulw.'s ist allerdings von den Späteren so stark benützt, daß es fast ausgeschöpft sein mag; jedenfalls wird man jedoch von Vielem erfahren, was wir aus Späteren gelernt, daß wir es ihm zu verdanken haben, und es wird auch an einzelnen Belehrungen, die übergangen worden und die uns daher auch jetzt noch neu entgegentreten, nicht fehlen. Seine Bedeutung bleibt für uns allerdings vorzugsweise eine literarhistorische, und dazu gehören auch die bei ihm sich vorfindenden Anführungen. Sehr zahlreich sind die thalmudischen Stellen, die er zur Vergleichung benützt, und da bieten sich uns beachtenswerthe Lesarten. Eine solche findet sich z. B. in einer Stelle, welche überhaupt zur Wort-Erklärung von seinen Nachfolgern übergangen worden. Abulw. nämlich nimmt כבר nicht in der Bedeutung von ״schon", ״längst", sondern mehr als Bestätigungspartikel, wie das arab. die allerdings in jenen Sinn leicht übergeht, und besonders wendet er das für בשכבר Koh. 2, 16 an, wo er es mit wiedergegeben haben will, das die Bed. der Vergangenheit gar nicht in sich schließt, hier im Gegentheile bei der Zukunft gebraucht wird; ״weil wahrlich in den kommenden Tagen Alles vergessen ist". Dafür nun führt er eine Stelle aus der Mischnah an (Chagigah 1, 7): לעדת? nennt man blos den Gegenstand, der Anfangs in gutem Zustände war, ונתעות כבר, und nun mangelhaft wurde. Gerade das Wort כבר fehlt aber in unseren Ausgaben des Thalmud, und die neueren text-kritischen Vergleichungen bieten keine Spur von dieser Lesart, wie auch Parchon und Kimchi keine Rücksicht darauf nehmen. Dennoch ist Abulwalid's Zeugniß von Gewicht. — Auch über die Aussprache mancher thalmudischen Wörter belehrt uns A.; er will nicht, daß מזיעין gelesen werde, wie man auch zu