Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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90 VIII. Oppenheim, dem Stiftszelte. Die Theile der Stiftshütte waren: das Allerheiligste, das Heiligthum und der Vorhof. Die Bibel als das eigentliche Heiligthum Gottes hat dem entsprechend ebenso 3 Theile und zwar; Thora gleicht dem Allerheiligsten; Prophten dem Heiligthum und Hagiographen dem Vorhofe. Auch dafür läßt sich im Talmud die Quelle Nachweisen. Baba Mezia 86 a wird der Psalmvers 73, 17: Bis ich kam in die Heiligthümer Gottes, da merkte ich ihr Ende, auf die heilige Schrift ausgelegl. Diese Auslegung gab Veranlassung zu einem geistreichen Wortspiel, auf R. Abina, den Redacteur des Talmuds: tpo, רביכא רב אביכא הוראה' וסינלכך ,עד אבוא אל מקדשי אל אבינה לאחריתם, wo Rab Abina mit dem Worte אבינה combinirt wird. Die Massoreten haben deshalb den Begriff Heiligthum Gottes ausgenommen und weiter ausgebildet und dies will auch der Schluß bei Moses b. Ascher sagen, wo die 3 Abtheilungen gehörig hervorgehoben sind: והקדש וחצר אה״נל p'ri'p כלם הם שבים לסידור הזה בבית. Im Codex Firkowitsch und bei Dukes fehlt והקדש und der Sinn ist dadurch unklar. Bekanntlich ist Profiat Duran der erste, der, Maaße Esod S. 11 ff., berichtet daß die Alten die Bibel das Heiligthum Gottes nannten, ohne daß man recht wußte, aus welcher Quelle dies Duran geschöpft hat. Bei Moses b. Ascher haben wir also den ältesten Nachweis dafür, der sich auf den Talmud zurückführen läßt. Profiat Duran sagt nämlich: הטיב בלי שקרא הספר הגדול הזה מקדשיה כי הוא באמת מקדש ה' כוככו ידיך und glaubt sich auch auf Ps. 73, 17 berufen zu können, wo man den plural מקדשי אל auf die beiden Heiligthümer, den Tempel und die Bibel beziehen muß. Richtiger hat dies R. Obadia Siforno gedeutet, der den plural einfach auf die 3 Theile der Bibel auslegt. Unsere Stelle bietet also nicht den geringsten Beweis für die karäischen Ansichten des Ben-Ascher; sondern dieselbe ist durch und durch talmudisch. Auf die andern Beweise des Hrn. Dr. Graetz hoffen wir in einem zweiten Artikel zurückzukommen. Wir verweisen auf unfern Artikeln über Ben-Ascher im Hammagid 1871 Nr. 46 und Eben Safir, wo nachgewiesen wird, daß Ben-Ascher, wie das bisher die Karäer selbst zugeben, kein Karäer war.