Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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Ben-Ascher. 83 die schwierige Stelle, Spr. 22, 20, auf die 3 Theile der Bibel aus, nämlich: Ich habe Dir das Dreibuch geschrieben mit Rathschlagen und Erkenntniß: ד!לא כתבתי לך שלישים בבלעצות ודעת התורה משולשת ,רל׳כ״ך וכל. Septuaginta, Vulgata und Syrer scheinen auch auf diese Erklärung anzuspielen. Alle verstehen unter שלישים, nach dem Keri, die dreitheilige Bibel und dadurch erhält diese Stelle für die Geschichte der Bibel eine besondere Bedeutung. S. Seder Olam K. 30 und Jalkut Daniel § 1062, wo das Aufhören der Prophetie in Israel zur Zeit Alexanders des Großen damit in Verbindung gebracht wird. Aus diesem Grunde versteht der Talmud bei Citaten und Nachweisen unter Thora die 24 Bücher der heiligen Schrift. Der Talmud wirft z. B. die Frage auf, wo in der Thora des Gebrauchs der Grabsteine, des Tempelgesanges, der Auferstehung der Todten u. s. w. Erwähnung geschieht? und es werden dann als Belege Stellen aus den Propheten und Hagiographen angeführt. (Moed Katan 5a. Sanhedrin 91b. Arachin 11 a). — Freilich nennt der Talmud bie Propheten und Hagiographen דברי קבלה zum Unterschiede der Thora und stellt die Regel auf: דברי תורה מדברי קבלה לא ילפיכן* (Baba Kama und Parallst.) d. h. daß die Thora in Rücksicht auf die Gesetze und Lehren als abgeschlossen zu betrachten sei und daß aus den andern Theilen der Bibel keine neuen Gebote und Lehren hergeleitet werden dürfen. Allein auch diese Regel darf nicht so stricte genommen werden und leidet vielfache׳ Ausnahmen. In der Hauptsache steht allerdings fest, daß neue Lehren und Gebote aus den Propheten und Hagiographen nicht hergeleitet werden dürfen; aber dennoch werden thatsächlich vom Talm. sehr viele hochwichtige Lehren, die auf das ganze Leben den größten Einfluß haben, aus diesen Theilen der Bibel entnommen. So leitet der Talmud um nur einige Beispiele zu erwähnen, das Expropriationsrecht von dem Buche Esra 10 her. (Iebamoth 89b). Ferner wird (Sucka 30 a) der Grundsatz aufgestellt und aus Maleachi 1, 13 nachgewiesen daß der Zweck nicht das Mittel heilige: .מצוה הבאה בעבירה Aus dem Buche Ruth werden die Hochzeitsgedräuche, das Verfahren bei Aufnahme von Proselyten, der Kauf und Verkauf entwickelt. (S. Zebamoth 47b; Kethuboth 7b und Baba Mezia 47). Als Schriftbeweis für das Testamentsrecht führt der Talmud (Baba Bathra 147 a) Jesaias 38, 1 an. Besonders reiche Aus- 6*