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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 67

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 67 (sequence 71)
Language
German
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VI. Die hebräische Sprache. 67 hat. 18611 ist der Mann, 18611a. die Frau, also die Männin, die dem Manne vollkommen gleichstehende. Schon die Kirchenväter (Clemens, Eusebius u. A.) und der Midrasch (Bereschith rabba 6. 18) kennen diese hebräische Eigenthümlichkeit und glauben daraus den Schluß ziehen zu dürfen, daß das Hebräische die Ursprache sei; uns erweist sie sich hiermit als die Sprache ursprünglicher edelster Anlage. Etymologisch mögen noch in mancher andern Sprache die Worte für Mann und Weib sich auf dieselbe Wurzel zurückführen lassen; allein baß sie sich dann im lebendigen Ausdrucke so sehr entfremdet haben, so daß ihr gleicher Ursprung kaum mehr kenntlich ist, zeigt gerade wie die Anschauung der Gleichheit nicht lebensfrisch genug war, um sich im gangbaren Worte zu behaupten, während der Hebräer daran unerschütterlich festhielt. — Besondere Zartheit bekündet die Sprache im Ausdrucke der Stellung, welche den untergeordneten weiblichen Hausgenossen angewiesen wird. Der männliche Hausgenosse ist Sklave, Knecht, ״der Arbeitende und Dienende", '6v6ä, davon aber giebt es kein Femininum. Vielmehr ist die weibliche dienende Hausgenossin ein ״Hausmütterchen", ״Pflegerin", amah, verwandt mit em, Mutter, und ornen, Erzieher, oder gar sie ist ״Familienglied", schifchah, ein Theil der 11118611paehah, Familie. Von beiden Worten giebt es wiederum kein Masculinum. — Wo das Weib eine solche Stellung einnimmt, da muß auch in der Ehe dessen Gleichberechtigung anerkannt sein. Die Sprache hat für eine Nebenfrau in sich selbst keinen Ausdruck; für das Kebsweib muß sie ein Wort aus der Fremde entlehnen. Pilegesch ist kein heimathlich hebräisches Wort, gehört vielmehr, nach dem Vorschläge?1 zu urtheilen, eigentlich Aegypten an, wo diese Vorsylbe den Artikel bildet, und ist von dort auch zu Griechen (pallax) und Römern (pellex) übergegangen. Eine Sprache, die in ursprünglicher Ausprägung und dauerndem Festhalten die liebende Gesinnung und That nach allen Be- Ziehungen so zart und kräftig auszudrücken sich gedrungen fühlt, edle Menschenwürde und gemeinsame Beziehung aus Gott in der Anrede an den Nebenmenschen darlegt, die Gleichheit der Geschlechter, die Ebenbürtigkeit des Weibes, schonenden Zartsinn auch gegen die dienende Hausgenossin im Worte nachdrücklich betont — eine solche Sprache legt ein beredtes Zeugniß ab für die Gesinnung des Volkes, dem sie entquillt. 31. März 1873.

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