Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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68 VII. Goldziher. VII. Polemik -er Drusen gegen den Pentateuch. Von Prof. Dr. Ignaz Goldziher. Ganz im Gegensätze gegen die mohammedanische Orthodoxie, welche in den Büchern des alten ebenso wie des neuen Testamentes Fälschungen, Interpolationen und Auslassungen wittert, und die Lebensberechtigung ihrer Confession zum großen Theile auf diese Voraussetzung begründet, war die mohammedanische Mystik von allem Anfang her geneigt, sich mit den Religionsbüchern der Juden und Christen in einer für diese günstigeren Weise auseinander zu setzen. Es war ihr dies vermöge ihres Verhältnisses zum Koran auch sehr gut möglich, und die Toleranz, welche ihr in allen ihren Entwicklungsstadien eigenthümlich, unterstützte sie in der Würdigung derjenigen Bücher, gegen welche der orthodoxe Islam in der leidenschaftlichsten Weise polemisirte. Daher kommt es auch, daß in den Schriften der Mystiker Citate aus Thorah und Psalmen sehr häuftg Vorkommen, freilich darunter auch eine ganze Menge unzutreffender Anführungen. Ja der Mystiker kann sich auch bis zur Lobrede auf die ihm fremden Confessionen versteigen und in ihnen ״asrär“ (Geheimnisse) finden, die ihm als Belege für sein eigenes System dienen 1). Al-6111, ein mohammedanischer Mystiker des XIV. Jahrhundertes — dessen Werk ״der vollkommene Mensch über die Kenntniß der letzten und ersten Dinge" ein vollständiges Material fürs Studium dieser Frage bietet —, findet sogar in dem jüdischen Ceremonialgesetze, den Speiseverordnungen u. s. w. Geheimnisse von solch anlockender Kraft, daß er dieselben zu veröffentlichen sich nicht getraut, aus Furcht, die gläubigen Muhammedaner würden ihren Propheten im Stiche lassen und dem Schoße des Judenthums zueilen. ״Wisse — so schließt er seine Besprechung der hebräischen Schriften — daß die Juden zweimal täglich die Einheit Gottes *) Allerdings ist die Definition der Ausdrücke ״Thorah" u. ״Psalmen" sowie der Gesetzestafeln in muhanuuedanisch-mystischem Sinne eine so fubiimirte, daß sie für den Uneingeweihten fast unverständlich klingt. Man sehe nur beispielsweise die betreffenden Artikel im Cal.cuttaer Dictionary of thechnical terms, oder bei al-Gfili Blatt 103 ff.