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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 64

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 64 (sequence 68)
Language
German
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64 VI. Die hebräische Sprache. große Gnaden, die einen beträchtlichen Einfluß auf das Geschick des andern haben; so entspringt ersteres dagegen nur einem Wohlwollen, das aus dem sinnlichen oder geistigen Wohlgefallen an dem andern hervorgeht, und sich häufig wenigstens in weniger wesentlichen, und nur im gewöhnlichen weltlichen Sinne vortheilhaften Gunstbezeigungen manifestirt. In 6116864 fällt die größere Gabe mit der größern Gesinnung zusammen; in 611611 genügt für die geringere Erweisung ein weniger weites Herz. Chen; ehanan wird allerdings auch von Gott gesagt, wo dann gewöhnlich ein vertrauliches Verhältniß Gottes zum Menschen angedeutet wird, aus dem sich die erzeigte Gunst wie natürlich erklärt (Ex. 33, 17). Es ist aber ebenso oft die Gefälligkeit, die einer dem andern erweist, von dem er sich angesprochen fühlt, und die je nach den Umständen von substantieller, oder auch von einer weniger bedeutenden Natur sein kann. Es ist 611611, wenn die Egypter den Juden Silber und Gold geben, Ex. 3, 21; es ist ebenso 611611, wenn Saul dem David erlaubt, ihn mit Zitherspiel zu unterhalten. 1. Sam. 16, 22. Man muß gestehen, daß in den Verhältnissen des Alterthums, in denen der Kampf mit der Natur, mit den eigenen Stammesgenossen und fremden Völkern ein harter war, die meisten Gefälligkeiten wesentlichere Dienste in sich schlossen, als heute, wo man sich mancherlei gegenseitig erweist, das der Andere sich fast ebenso leicht selbst verschaffen kann, als man es ihm zukommen läßt. Indessen gab es natürlich auch damals schon kleinere Freundlichkeiten, die, gerade weil ihre Versagung zu ertragen war, da wo sie erzeigt wurden, einen doppelt angenehmen Eindruck machten, und den gewöhnlichen Geschäften des Lebens einen Schimmer humaner Gesinnung mittheilten. So werden Bitten, denen man heutzutage vielleicht ein ״Wenn es Ihnen beliebt" voranschickt, gerne eingeleitet mit ״Wenn ich 611611 gefunden habe in deinen Augen." So steht 611611 mit Vorliebe, wo es sich um diese oder jene kleinere Leistung handelt, die sich aus den augenblicklichen Umständen ergiebt. So dient es, in einer noch höflicheren, aber noch weniger buchstäblich gemeinten Redeweise ״Möge ich 611611 finden in deinen Augen", zu Höherstehenden gesagt, fast als ein ״Ich empfehle mich Ihnen, leben Sie wohl." 1. Sam. 1, 18. Aber wie wir aus den Fällen entnehmen können, in denen dieselbe oder eine ähnliche Formel zu ernsten beschwörenden Aufforderungen gebraucht wurde (Gen. 47, 29), muß selbst da, wo sie

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