Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 63

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 63 (sequence 67)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2420973-2421010-2421011--3310-2423998
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

VI. Die hebräische Sprache. 63 schöne Vorrecht des Mächtigen betrachtet (Jes. 54, 10). Eine Stimmung und eine Handlung, die auch unter Gleichgestellten stattfinden kann, und dann, indem der beigemischte Ton der Herablassung etwas zurücktritt, um so nachdrücklicher eine große Liebe bezeichnet, welche aus reinem Wohlwollen entsprungen, dem andern recht sehr zu nützen bestimmt ist. Eine Huld, die, ob sie nun von einem Höhern oder Gleichen ausgehe, ersprießlich wird, und an deren Ersprießlichkeit der Geber oftmals einen warmen innern Antheil nimmt. Diese Herzensgüte des Wortes tritt besonders in den Fällen hervor, in welchen derjenige, dem die Huld erwiesen wird, sich keineswegs in einer Bedrängniß befindet, sondern nur aus dem freien Impuls des andern eine Gunst empfängt (Gen. 24, 49); oder wo es sich nicht einmal um eine specielle Gewährung, sondern nur um eine allgemeine jreundschaftliche Gesinnung handelt, welche zwischen zwei Personen herrscht (Jos. 2, 14); oder wo das Wort geradezu Frömmigkeit, d. h. Liebe zu Gott bedeutet, und durch die unerreichbare Erhabenheit des Geliebten somit nicht einmal die Möglichkeit einer Gunstbezeigung gegeben ist (Neh. 13, 14). Derselbe Grundzug erwärmt auch den Charakter des Wortes in den unzähligen Stellen, wo es von Gott in seiner Beziehung zu den Menschen gesagt wird, und den himmlischen Wohlthäter zu dem liebenden Freunde unseres Geschlechtes macht. Ueberall ist es eine gewährende, und gewöhnlich eine gern gewährende Gnade. An die freundliche Huld des chesed schließt sich das liebende Erbarmen des raevam. Wie ei1686d mehr als bloße Gnade, so ist racham mehr als bloßes Mitleid. Das eine freut sich gnädig sein zu können; das andere hilft nicht nur dem Unglücklichen, sondern liebt ihn, weil er unglücklich ist. Uaevam heißt in der That ebenso sehr gefühlvoll und zart, als wohlthätig; will ebenso schonen als helfen (Ps. 103, 13). . . . Auch Gott selbst übt die Thätigkeit des racham gegen die irrenden Menschen, denen er verzeiht und gegen die er mitleidige Gnade für Recht ergehen läßt. Von den andern biblischen Büchern nicht zu sprechen, ist Jesaias in seinen stürmischen Ergüssen über die Austreibung und Rückkehr der Juden voll von diesem Gebrauch des Wortes .... Chen, chanan ist em ermäßigtes chesed. Ist letzteres liebende Gnade, so ist ersteres nur liebende Gunst. Beruht letzteres auf der ganzen gütigen Gesinnung des Gewährenden, achtet es wenig auf das Verdienst derjenigen, dem gewährt wird und erweist es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.