Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 62

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 62 (sequence 66)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2420973-2421010-2421011--3309-2423997
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

62 VI. Die hebräische Sprache. mit dem Bewußtsein der Berechtigung auftritt, oder als eine recipirte Tändelei. Die weite Bedeutung des Wortes schließt die Liebe Gottes zum Menschen (Hosea 3, 1), die Liebe des Menschen zu Gott (Deuter. 6, 5) und die Nächstenliebe ein (Spr. 10, 12). Alle drei Begriffe wohnen der jüdischen Denkweise und Sprache seit den Tagen der ältesten geschichtlichen Denkmäler des Volkes inne. Sie werden je nach dem religiösen Charakter der verschiedenen Perioden stärker oder schwächer, und trennen sich allerdings niemals, selbst in den Zeiten des Neuen Testamentes nicht, von der gleichzeitigen Auffassung Gottes als eines strafenden Richters., oder der Pflicht des Menschen, das Schwert zu führen gegen die Bösen. Aber schon in den frühesten und rauhesten Epochen, wo die letztere eifervolle Anschauung noch stark war im Volke Israel, tritt mildernd die höchste Idee auf, zu welcher der Mensch sich in Bezug auf die Züchtigungen Gottes erheben kann. Gott wird ein Vater genannt, der seine Kinder straft, um sie zu bessern (Deut. 8, 5). Gott liebt also, selbst wo er straft. Er zürnt also nicht, weil er die Mißachtung seines Willens empfindlich aufnimmt, sondern nur unserer selbst wegen, weil er unsere Fehler durch Rüge und Zucht zu entfernen sucht. Ein Gott, der liebt, selbst wo wir gegen ihn gesündigt, wird auch vom Menschen Hülfe, Nachsicht und Verzeihung gegen seines Gleichen wollen. So bedeutet denn Ahav also auch das allgemeine Band der Nächstenliebe, das die Menschen zusammenhalten soll, und das zu knüpfen als eines der hauptsächlichsten Gebote des Ewigen hingestellt wird (Lev. 19, 18). Je weiter, zurück in das um Land und Leben kämpfende Alterthum hinein, desto mehr ist diese Gesinnung auf das eigene Volk beschränkt; je weiter vorwärts aber die Festigung des Staates und die Entwickelung des Glaubens schritt, desto mehr strebte sie sich zu der weltumfassenden Stärke zu entwickeln, die sie. . . in allen Landen geltend zu machen gesucht hat (Deut. 10, 18. 19). Aus dieser Quelle ist der Gedanke der göttlichen Liebe, und der allgemeinen brüderlichen Gesinnung aller Geschaffenen in die Stätten der heutigen Civilisation geflossen. Die Geschichte des ebräischen Wortes ahav bildet ein heiliges Kapitel in der Geschichte der Menschheit .... Chesed ist eine Gnade aus gutem Willen, häufig auf dem Boden der Liebe erwachsend. Eine Gesinnung, die gerne wohlthut, weil sie die thätige Liebe, die in dem Wohlthun liegt, als das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.