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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 61

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 61 (sequence 65)
Language
German
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VI. Die hebräische Sprache. 61 Sinnig und anmuthig wird in einer kleinen Schrift von Hrn. vr. Carl Abel ״über den Begriff der Liebe in einigen alten und neuen Sprachen" gehandelt 1). Vier Sprachen werden dafür ausgewählt: lateinisch, englisch, hebräisch und russisch. Wir müssen für die feinen Bemerkungen, welche in dieser Gesammtbetrachtung in Beziehung auf die dabei hervortretende geistige Eigenthümlichkeit der verschiedenen Völker gemacht werden, den Leser auf das Büchlein selbst verweisen, können uns aber nicht enthalten, die Ergebnisse, welche der Vfr. für das Hebräische gewinnt, ausführlicher aufzunehmen. Wir müssen dazu die Hauptstellen mit des Vfrs. eigenen Worten wiedergeben, und wird derselbe keinen Anstoß daran nehmen, wenn sie dadurch auch nach andern Kreisen hin verbreitet werden. ״Ahav, die Liebe als reines Gefühl, — die sich zwar auch bethätigen kann, es aber nicht zu thun braucht, um ihrem Begriffe zu genügen, bedeutet sowohl die Liebe zwischen Mann und Weib, als auch zwischen Eltern, Kindern und Geschwistern, zwischen Freunden, Genossen und Bekannten, und allen Menschen überhaupt. . . . Zwischen Mann und Weib ist es sowohl Leidenschaft als ruhige, eheliche Neigung. Als Leidenschaft ist Ahav der höchsten dichterischen Ausschmückung fähig, wie wir uns aus dem hohen Lied erinnern, wo die Liebe ״als Panier über den Geliebten gehalten", und die ganze Natur zur würdigen Schilderung ihrer Süßigkeit durchsucht wird. Auch die Hingebung der Liebe, die dem geliebten Wesen gerne dient und keine Mühe in seinem Dienste scheut oder auch nur empfindet, ist der Bedeutung des Wortes von den ältesten Zeiten an, beigemischt (Gen. 29, 20). Darüber noch hinaus bezeichnet es eine glühende Leidenschaft, die sich höher schätzt, als alles irdische Gut, und reicht damit in eine Sphäre hinein, in welcher die Liebe als das Ideal des Lebens erscheint (Hohel. 8, 7). Doch wurde das Wort in diesem Sinne, der allen europäischen Dichtern nunmehr so geläufig geworden ist, vormals nur selten gebraucht. Das jüdische Alterthum kannte dies Gefühl, das das Leben verschleudert, um der Liebe zu dienen, Wohl als eine rauschende jugendliche Auf- Wallung, aber noch nicht als eine ausgesprochene Gesinnung, die 1ן Berlin, Lüderitz 1872. 63 Seiten. Das Schriftchen bildet Heft 158 u. 159 der ״Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge, herausgegeben von Virchow u. Holzendorff".

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