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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 56

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 56 (sequence 60)
Language
German
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56 V. Sifra. kannt, vielmehr blos gesagt werden, daß sie im trunkenen Zustände ein solches bei Todesstrafe nicht ausüben dürften, so konnte das blos von Belehrungen gelten, die auch praktischen Erfolg halten, nicht aber von solchen, die blos einen einfachen Unterricht darbieten, ohne daß damit der Anspruch einer praktischen Nachachtung erhoben wird. Das einfache Lehren des Schriftwortes, das noch dazu Jedem zugänglich ist (זיל קלי בי רב: הוא , wie die Gemara sich ausdrückt), konnte daher auch dem Priester in betrunkenem Zustande nicht untersagt sein. Deßhalb ist eine andere Lesart, wie sie Jalkut darbietet: ״durch die Hand Moses", das ist der Thalmud. Man könnte glauben, es sei auch das einfache Bibelwort darin eingeschlossen, allein es heißt: zu unterweisen. Joße ben Jehudah sagt: man könnte glauben, es sei auch das Thargum eingeschlossen, allein es heißt: zu unterweisen (ביד משה 7ה התלמוד ,יכול אף המקרא ת׳ל ולהורות ,ר' יוסי בר יהודה ארכלר יכול אף התרגום ת׳ל ולהורות)." Abraham ben David las gleichfalls so in Sifra, hatte aber noch einen Satz, der auch die Mischnah ausschloß, da man ja auch aus ihr nicht die Entscheidung für die Praxis zog. Aber auch diese Correcturen genügten noch immer nicht. Daß der nackte Schrifttext und das Thargum nicht die Quellen für das praktische Resultat seien, war später so selbstverstündlich, daß man gar nicht glaubte sie besonders ausschließen zu müssen, und ferner war man auch über das Verbot der Gemara nicht einig, da dieselbe ja oft nur die Diseussionen enthielt und nicht die abschließende Entscheidung angiebt. Daher erscheint die Baraitha in der Gemara Kherithoth 13 b in folgender Form, bei der Schrifitext und Thargum ganz unerwähnt bleiben: ״Durch die Hand Moses, das ist die Gemara, man könnte denken, auch die Mischnah, allein es heißt: und zu unterweisen. Joße ben Jehudah sagt: man könnte denken, auch die Gemara, allein es heißt: und zu unterweisen". In diesen Abweichungen liegt eine ganze Geschichte des halachischen Lebens, offenbart sich Vorzugsweise die immer zunehmende Verdrängung der Priester als des Lehrkörpers, wie das rasch zunehmende Sinken der Geltung des Thargum. Darin ist uns aber auch ein Beispiel gegeben von der umgestaltenden Bearbeitung des Sifra, die lange fortgesetzt wurde. So wird sich bei sorgfältigem Studium immer mehr herausstellen, daß auch Sifra seiner ersten Grundlage nach von Jsmael

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