Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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48 IV. Der Islam. einen größeren Zusammenhang bringen, anmuthende Beziehungen eröffnen. Bei Emanuel Deutsch ist man noch an Anderes gewöhnt. Mit seiner dichterisch anempfindenden Anlage erhebt er den Gegenstand seiner Behandlung in die Sphären, zu welchen mehr die schwungvolle Phantasie als die nüchterne Untersuchung emporsteigt; er liebt es, aus dem Sagenkreise, der dichtenden Legende Illustrationen zu ziehen, die allerdings eine reizvolle Umfassung bilden, aber dennoch zuweilen mehr blenden als erhellen. Ihm ist die jüdische Legende, die Haggadah, besonders sympathisch in ihrem poetischen Gehalte, er versteigt sich dazu, sie als die ״Prophetin des Exils" zu bezeichnen und anzugeben, sie sei so genannt worden (S. 29), während ich nicht wüßte, daß jemals irgend Einer diese Benennung ernstlich gebraucht habe, obgleich man Wohl in der Haggadah gegenüber der Halachah ein mehr flüssiges und innerliches prophetisches Element gegenüber dem starren äußerlichen gesetzlichen erkannt hat. Er schreitet daher gerne romantisch in jenen sagenhaften Bestandtheilen umher, deren sinnigen Gehalt er vielfach überschätzt, und die er hie und da auch in einer Weise wiedergiebt oder deutet, welche Genauigkeit und eingehende Prüfung vermissen läßt. Ein Beispiel genüge! Deutsch führt die Deutung aus Sifre zu Deuteron. 33,2 an: Gott hat Seine Lehre in vier Sprachen offenbart, hebräisch, das ist mit ״Sinai" gemeint, römisch (griechisch), darauf deutet ״Se'ir", Edom, Rom*) hin, arabisch, was ״Paran" ausdrückt, und endlich aramäisch, wie es heißt: ״und er kam von Myriaden der Heiligkeit". D. läßt bei Paran schon die rechte Erklärung vermissen; es war auf Gen. 21, 21 hinzuweisen, wonach Jsmael in der Wüste Paran wohnt. Aber wie die ״Myriaden der Heiligkeit" mit Aram in Verbindung stehn sollen, meint er, sei ״auf dem ersten Blick nicht ganz klar". Dann wird ihm aber klar, ״Aramäisch bezeichne jene Phase während und seit der babylonischen Gefangenschaft, deren legitimer und endgültiger Ausdruck ״das mündliche Gesetz" ist, ״der Talmud", und Hr. D. nimmt die Gelegenheit wahr, um diesen einige Sprachblüthen zu streuen. Bei der einfachsten Betrachtung jedoch muß man einsehen, daß mit den sämmtlichen Sprachen neben hebräisch fremde Nationalitäten gemeint seien und das nun ebenso mit dem Aramäischen beabsichtigt ) Der deutsche Uebersetzer schreibt: Edome, Rome!