Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Der Islam. 45 leichter empfänglich machten. Dennoch darf dies nicht so stark betont werden, wie es Hr. Deutsch thut, zu Gunsten einer unbefangenern BeurtheiLung des Islam von Seiten des Judenthums. Das erkennt man schon daraus, daß nicht vom Islam allein bei Maim. die Rede ist, sondern von beiden herrschenden Religionen; es ist der Versuch, die göttliche Waltung über ihre Duldung derselben zu rechtfertigen. Irgendwelcher Zoll der Anerkennung soll damit ebensowenig für den Islam wie für das Christenthum dargebracht werden. Es mag übrigens zugegeben werden, daß in gewisser Beziehung das jüdisch-mittelalterliche Urtheil über den Jskam milder lautete als über das Christenthum. Man fühlte sich mit jenem mehr auf gleichem Boden. Die Strenge in der Lehre von der Gotteseinheit, die entschiedene Beseitigung jeder bildlichen Darstellung des Göttlichen und mehreres Andere hatte der Islam mit dem Judenthum gemein; die philosophischen Versuche in der islamischen Scholastik konnten sich die Juden vollkommen aneignen, ohne von dogmatischen Voraussetzungen, wie sie die christliche Scholastik festhielt, abgestoßen zu werden, und wie vielen Bedrückungen auch die Juden von Seiten der Herrschaft des Islam ausgesetzt waren, hatten sie doch weit weniger geistige Kämpfe und Anfechtungen von ihr zu bestehen. Aber trotz der ruhigern Stimmung, welche man im jüdischen Kreise gegen den Islam bewahrte, vermochte derselbe nicht etwa anerkennende Achtung zu ge- Winnen. Jsmael — das Reich des Islam — war ״der Sohn der Magd" Hagar, und Mohammed hieß fast stereotyp: der Verrückte, ״Meschugga". So war die Vorzeit rasch fertig. Sie hielt es für abgethan, wenn sie ihr Verdammungsurtheil aussprach, und die Erscheinung erklärte sie sich, indem sie sie aus dem Pfuhle der bösen und unreinen Geister aufsteigen ließ, als die giftigen Dünste geistiger Verkehrtheit und wüster Lasterhaftigkeit. So leicht wird es uns nun nicht. Wir verlangen eine unbefangenere Würdigung einer weltgeschichtlichen Erscheinung, zugleich auch eine dem Menschheitlichen geistigen Processe sich natürlich einfügende Erklärung derselben. Man ist etwa seit etwa vur Jahrzehenten auf diesem Wege zu ergiebigen Resultaten gelangt. Man erkennt, daß das Erwachen des Geistes in einem urwüchsigen Volke, das von der Statur mit guten Anlagen ausgestattet ist, mit gesundem Verstände, mit reicher Phantasie, mit Empfänglichkeit für Wohlklang, — von