Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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44 IV. Der Islam. gelangt dennoch zur Geltung. Und wie rasch wächst dieser Einfluß, wie rasch gestaltet er sich zu einem dauernden, während Judenthum und Christenthum erst nach langen Geburtswehen hervortraten, langsam sich entwickelten, nur allmälig zu Festigkeit und Macht gelangten. Der Islam entsteht, ist fertig, entfaltet sich siegreich, breitet sich weithin aus, bemächtigt sich aller Bildungselemente, erfrischt wie ein neuer Lebensquell die Menschheit — Alles wie mit einem Schlage! Man traut seinen Augen kaum, wenn sie diese wunderbaren Erscheinungen überblicken, die im raschesten Wechsel, im blendendsten Strahlenglanze vorüberziehen. Schon vor einigen Jahrhunderten fing man an, sich mit dem Islam auch geistig auseinanderzusetzen. Man begnügte sich nicht mehr, im blutigen Waffenkampfe seine Uebermacht abzuwehren, sich mit ihm zu messen, ihm seine Gewalt zu entreißen; man versuchte auch seinen Inhalt aufzulösen, zu widerlegen, sich ein Urtheil über ihn zu bilden. Dieses stand allerdings nach damaliger Voreingenommenheit von vorn herein fest in einfacher Verwerfung; aber man war auch mit der Erklärung über sein Entstehen, sein Erstarken und seine Fortdauer bald fertig. Es war das Werk des Teufels, alle bösen Geister über und in dem Menschen rafften ihre Kräfte zusammen, um diese Mißgeburt zu schaffen und zu erhalten. Es ist erheiternd, wenn wir die Urtheile katholischer wie protestantischer Theologen über Mohammed, wie deren einzelne in einer Abhandlung von Emanuel Deutsch, auf die wir noch zurückkommen, uns vorgeführt werden, lesen. Sie stimmen darin überein, daß er, ״ein entsetzlicher Teufel, ein erstgeborner Sohn des Satan ist, der mit der schwarzen Kunst verkehrte"; nur Weichen sie darin von einander ab, daß die Einen sein Werk dem der verdammlichen Reformation gleichstellen, die Andern ihn dem Papstthume zugesellen, und Luther betet, Gott möge, ״beide, den Papst und Mohammed, mit sammt ihren Teufeln, bestrafen". — Es wäre parteiisch zu behaupten, daß die geistigen Größen des Judenthums glimpflicher mit ihm Verfahren seien. Es ist wohl wahr, daß Maimonides einmal den Ausspruch that, Christenthum und Islam seien insofern vorbereitend für die einstige allgemeine Gotteserkenntniß in der Messiaszeit, als durch beide Religionen Anklänge und Erwartungen in der Menschheit erweckt seien, die sie für die dereinstige Aufnahme der vollen Wahrheit