Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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für Wissenschaft des Judenthums. 2. 35 Pflege, glänzende Namen folgen einander in ununterbrochener Reihenfolge, und unvergängliche Geistesthaten prägen sich ein. Wenn es erhebend ist, den Gang durch die Geschichte des Judenthums in den dem Islam unterworfenen Gebieten zu machen vom 10. bis zum 13. Jahrhundert, so richtet sich der Blick nicht minder freudig auf die gleichzeitige Entwickelung in Nordfrankreich, wo neben einem eingehenden Thalmudstudium auch die hingebende Thätigkeit für eine schlichte und gesunde Bibelexegese die edelsten Früchte zeitigt. Die Provence, von beiden Seiten her angeregt, vermittelt dann mit ächtem Gelehrtenfleiße die beiderseitig dargebotenen Ergebnisse, sichtet, ordnet, breitet sie weit hin bald durch Uebersetzerthätigkeit bald durch Abrundung in leichtfaßliche geordnete Werke und erwirbt sich dauernde Verdienste. Doch stoßen nun auch die abweichenden Richtungen hart auf einander; die blos scheinbar versöhnten Elemente drohen auseinander zu fallen, sich gegenseitig zu vernichten. Die sinkende Zeit läßt aus solchem Kampfe nicht Antriebe zu neuen Gestaltungen hervorgehn, nur wenige wissenschaftliche Verhandlungen regen zu tieferem Eindringen an; ermattet beruhigen sich die Geister, und wenn der alte Wissenschaftliche Erwerb nicht verloren geht, so büßt er doch an Frische ein, er ist ein überkommenes Erbe, kein durch eigne Kraft erworbenes Eigenthum. Noch treten gar manche treffliche Männer auf, aber ihre Wirksamkeit ist um so weniger eingreifend, als bald der Schau- Platz sich völlig umgestaltet. Das islamische Spanien verfällt mehr und mehr der Herrschaft des Christenthums und des brennendsten Glaubenseifers, die Provence wie Frankreich insgesammt wirft die Juden aus seinen Gränzen hinaus, Deutschland in seiner damaligen Regel- und Bildungslosigkeit bringt Gelehrte hervor, die der herrschenden steifen Kirchlichkeit entsprechen. Nur Italien erweckt Hoffnungen, die aber doch blos bis zum schöngeistigen Spiele, zur eleganten Gelehrsamkeit führen, aber der Energie entbehren, um eine Erneuerung in Wissenschaft und Leben hervorzurufen. So wurden die Geister bald der Freude an der eignen Schöpferkraft und an den hergestellten Schöpfungen verlustig, ihnen blieb blos die Sehnsucht nach erfüllenden Gedanken, nach befriedigenden Empfindungen, wie sie das bloße Herkommen, das Anklammern an die Ueberlieferung nicht gewähren konnte. Das ist die rechte Geburtszeit der Mystik, die, verbrauchte Gedanken phantastffch