Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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36 HI. Wirksamkeit an der Hochschule ausschmückend, das Zwielicht als wirkliches Doppellicht ausgiebt. Sie trägt von vorn herein das Kainszeichen bald des bewußten Betrugs bald nachtwandelnder Selbsttäuschung an der Stirne; sie streut eine Saat des Unheils, die lange Zeit und bis in unsere Tage hinein fortwuchert. Es fehlt auch nun nicht an klaren hervorragenden Geistern, an selbstständigem kraftvollem Auftreten von Männern, die edler Nachwuchs einer großen Zeit sind, aber sie gehn in den Leiden der Zeit unter, die sich immer steigern, bis endlich die Vertreibung der Juden aus Spanien eine ruhmreiche Epoche traurig abschließt. Eine siebenhundertjährige edle Betheiligung an allen großen Vorgängen eines von der Natur gesegneten Landes, ein stolzes Mitwirken an allen hohen Thaten des Geistes, an aller Förderung des Landeswohles wird mit einem Male vernichtet. Die Geschichte übt in den vier folgenden Jahrhunderten harte Vergeltung an dem undankbaren Lande, das auf dem Gipfel seiner Macht angelangt zu sein scheint, nun aber unaufhaltbarem Sinken verfällt und wie es sich edler Glieder beraubt hat, weiter dazu verdammt ist, in seinen Eingeweiden zerfleischend zu wühlen. Aber diese blutige Sühne kann das Unheil nicht gut machen, das den Juden war zugefügt worden. Der Jammer über die unsäglichen Leiden, welche stolze Geister erfahren mußten, nützt nicht, aber auch das zähe Halten an verblichenen Erinnerungen ehemaligen Glanzes hat die Ueberreste spanischer und portugiesischer flüchtiger Uebersiedler nach andern Ländern zu einem verkümmernden Stillstände verleitet. Die Heilung mußte anders woher kommen, und die Weltgeschichte hat in langer Hand dazu vorbereitet; sie bedarf ernster Kämpfe und ausdauernder Arbeit, um die ausgestreuten Fruchtkeime zur Entwickelung zu bringen. Die Entchristlichung des bhzantinischen Reiches, dessen Umgestaltung in die osmanische Türkei eröffnete den flüchtigen Juden eine Freistätte, in der jedoch nur die Körper Ruhe fanden, aber der Geist sich nicht verjüngte. Die Buchdruckerkunst erweiterte die Gelehrsamkeit, ohne sie noch zu verliefen. Und dennoch wirkte zugänglich gemachte altgriechische Bildüng und Ausgrabung der Schätze aus dem Alterthume überhaupt in einem neuen Streben nach edler Menschlichkeit, in dem Humanismus, erweckend und belebend. In Italien beginnt die Kritik auch innerhalb des Judenthums ihre Schwingen zu entfalten; es sind Erstlingsversuche von glücklicher Vorbedeutung, und wenn