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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 34

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 34 (sequence 38)
Language
German
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34 III. Wirksamkeit an der Hochschule Judenthum gelten wollte. Selbst die Samaritaner zeitigten neue Blüthen. Freilich war es eine künstliche Neubelebung, die den verdorrten Stamm nicht zu frischer Triebkraft verjüngen konnte, und beider Geschichte läßt sich von da an bis zur Gegenwart in ziemlich einförmiger Wiederholung abgestandener geistiger Arbeit rasch überblicken; aber sie haben uns den Nachhall alter verklungener Stimmen gerettet, und ihren Worten lauschend, hören wir das Nachlallen der Verkündigungen aus grauer Vorzeit. Aber im rabbinischen Judenthume war eine schöpferische Zeit neu angebrochen. Wieder neue Namen vernehmen wir. Die geistigen Führer sind nun die Geonim, die Excellenzen, die ganze Glaubensgenossenschaft heißt, insofern der Gegensatz zu dem angeblich schriftgemäßen Karäerthum ausgedrückt werden sollte, nun die der ״Rabbanim", R a b b i n i s m u s. Wie ehedem das Griechenthum, pfropfte nun der Islam die Wissenschaft in das Judenthum; aber die Gestalt, in welcher dieser sie ihm darbrachte, schmiegte sich ihm enge an. Sprache und Anschauung war ihm dort stammverwandt, und der religiöse Grundgedanke des Islam war ja dem Judenthume entnommen. Anfangs war zwar die Einwirkung der Art, daß nur die externen Wissenschaften auch im jüdischen Kreise Pflege fanden, auf dem Gebiete des Judenthums aber, wenn auch neue Regsamkeit entstand, doch die alten Geleise nicht verlassen wurden. Halachahsammlungen und Gutachten bewegen sich in den vorgeschriebenen Normen; die Versuche zu neuen Dichtungen, sicher schon unter syrischem Einflüsse früher gepflegt, nahmen arabische Formen an, spielten übermäßig mit dem Gleichklange, handhabten die Sprache mit einer Kühnheit, die aller Regel spottete, aber gerade die ächte Dichterweihe in Inhalt und Form vermissen ließ. Doch mit dem Anfänge des zehnten Jahrh. war die Lehrzeit vorübergegangen, und eine schöne Morgenröthe der Wissenschaft beginnt den ganzen Horizont zu vergolden. Das sind drei Jahrhunderte eines herrlichen Gedeihens, das Licht wächst, wenn es auch bald an leichtem Gewölke, bald an drohenden Gewitterwolken nicht fehlt, die Frucht reift herrlich, und uns freut ebenso der Anblick des reich ergiebigen Bodens, wie wir uns heute noch an der vollen Ernte erquicken. Philosophie in ihrer innigsten Durchdringung mit der überkommenen Religion, hebräische Dichtkunst, Sprachwissenschaft und Exegese fanden die eingehendste

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