Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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für Wissenschaft des Judenthums. 2. 33 und so gestalten sich die Anfänge der Maßorah. Die Vornahmen insgesammt, welche dauernd für die Feststellung unseres Bibeltextes Geltung erlangt haben, sind nicht aus vollem grammatischen Bewußtsein hervorgegangen, sind geleitet von Ueberlieferungen, eigenem Sprachgefühl, phonetischen Anforderungen und sind zuweilen sehr äußerliche Experimentirungen. Und dennoch ist diese Arbeit in einer Weise ausgesührt, daß sie ein rühmliches Zeugniß ablegt von dem gesunden Triebe und der geistigen Regsamkeit, welche den Juden nicht fehlte selbst bei ihrer und der ganzen Zeit Erstarrung und Verkommenheit. Auch einen philosophisch-mystischen Anlauf nimmt das Juden- Lhum in dem Büchlein ״von der Schöpfung", Jezirah, das neuplatonisch und vorzugsweise neupythagoräisch in Buchstaben und Zahlen (Sefiroth) die schaffenden Urkräfte sucht, sich mit der Eintheilung der Buchstaben an die Maßorah, mit der Zurückführung auf Abraham an den Midrasch anlehnt, aber doch eine ganz eigenthümliche Erscheinung ist und wieder ein Zeugniß ablegt von dem zur Zeit seiner Entstehung . etwa im achten Jahrh. — rastlos schaffenden Geiste. Aber rastloser noch schaffet der die Gesammtgeschichte der Menschheit bewegende Weltgeist, und wenn ein früher fruchtbarer Boden verkümmert ist und nur Mißgestaltungen noch wuchernd erzeugen kann, so weiß er in einen frischen jungfräulichen sich einzusenken und von dort aus die Welt neu zu befruchten. Das war die That, welche im siebenten Jahrhundert den Islam weckte, der keinen neuen Gedanken in die Welt brachte, aber alten Gedanken, wenn auch in knapper Ausgestaltung, eine neue Heimath gab in jugendlich regen und kühn vorwärtsstürmenden Geistern. Die Wirksamkeit, welche die mohammedanische Macht in die Oede von sechs Jahrhunderten geistbewahrend und fortleitend entfaltete, war für das Heil der ganzen Menschheit von eingreifender Bedeutsamkeit, sie brachte dem Judenthume eine eigenartige neue Jugend. Sie konnte es nicht voll umgestalten, aber sie konnte ihm mannichfachen neuen Besitz verschaffen, seine gesunde Kraft Wecken bis zum Ziele hin, das überhaupt im Mittelalter erreicht werden konnte. Selbst die scheinbar ganz abgestorbenen Glieder wurden von neuem Leben angehaucht. Der dahingeschiedene Saddueäismus erstand wieder im Karäerthum, das seinen Zusammenhang mit seiner alten Wurzel nicht verleugnen kann, aber gern als streng ״schriftgemäßes" Gierteljahresschrift Xi. 1. 2. 3