Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2420973-2421010-2421011--3279-2423967- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
32 III. Wirksamkeit an der Hochschule der Sofer, der Schriftkundige, dann der Thanna, der Wiederholer aller Ueberlieferungen, dann der Amora, der Erklärer des traditionell Ueberkommenen; nunmehr treten dieRabbananSeburaö, die über das Gegebene Nachdenkenden, die Lernenden und sich Aneignenden an deren Stelle. Ihre Wirksamkeit ist eine kurze, wenige Zusätze und abschließende Entscheidungen überliefern sie der Nach- Welt. Sie waren wohlauf aggadischem Gebiete, dem emzigen, in welchem noch eine gewisse Freiheit vergönnt war, besonders anregend, wie denn nun der reiche Anbau des Midrasch seinen Anfang nimmt, jene eigenthümliche Literatur, in der die Abenteuerlichkeit sich friedlich zu den tiefsten Blicken in die Menschenseele gesellt, kindische Vorstellungen den erhabensten Flug religiöser und dichterischer Ahnung umranken. Sie verstand es, Personen und Begebenheiten, ja selbst Satzungen der Urzeit zu zeitgenössischen Gestalten umzuschaffen, so daß sie verdoppelt einwirkende Kraft für die Gegenwart gewinnen; das Leben in der großen Vergangenheit war in den täglichen Verkehr hineingezogen und verklärte diesen, und bei allem ehrerbietigen Aufblicke zu den alten Zeiten ging man so traulich mit ihnen um, daß man sich dadurch erquickt fand. Die Kritik hat in ihrer äußern Aufgabe, in Feststellung der Zeiten für die einzelnen Producte der weiten Midrasch-Literatur Bedeutendes geleistet, das nun vor mehr denn vier Jahrzehnten erschienene Werk von Leopold Zunz ״die gottesdienstlichen Vorträge" hat ebenso den Grund gelegt wie fast den Ausbau vollendet, und wenn Ergänzungen und Berichtigungen, welche in der darauf folgenden Zeit eifriger Studien zu erwarten waren, spärlich dargebracht wurden, so ist doch die Lücke noch weit empfindlicher in dem Mangel eines wissenschaftlichen Eingehens auf Geist und Inhalt des Midrasch. Raum für freie Thätigkeit bot noch ferner die äußere Abschließung des Bibeltextes, und sie wird Jahrhunderte hindurch fortgesetzt. Durch die Syrer angeregt, war man bedacht, die Ausspräche und die äußere Gestalt des Textes durch Zeichen und sonstige Anordnungen genauer zu fixiren. Punctation und Acrentuation, festere Bestimmungen über die Art der Schreibung, über Gestalt und Verzierung der Buchstaben und andere mehr äußere Feststellungen werden, wie es scheint, ganz nach dem Gange der Syrer, zuerst im Ostlande, Babylon, Ostsyrien, Madinchaö, dann aber überwiegend im Westlande, Palästina, Ma'arbae, vorgenommen,