Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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für Wissenschaft des Iudenthums. 2. 31 der Bewegung der Geister verstatlet war, sehr eng umschrieben. Der Druck lähmt, die Vertreibungen reißen den Faden der Ent- Wickelung ab, die stetige Bewegung wird gestört, das Ueberkommene wird forterhalten, ohne daß ihm das innere Leben mehr innewohnt. Früher hatte sich die Entwickelung aus dem Drange der staatlichen Kämpfe und Gestaltungen erzeugt, war von den Anforderungen des Lebens bedingt worden, sie wurde dann erst nothdürftig mit den älteren Vorschriften ausgeglichen. Nunmehr bestimmte sich das Leben nicht mehr selbst, fein unabhängiger Staat war vorhanden, der mit der Religion Hand in Hand ging, vielmehr stand der bestehende Staat mit der ganzen Lebensgestaltung dem Judenthum feindlich gegenüber, und dieses Ließ sich nicht von dem ehemaligen Zuge leiten, sich in Staat und gesellschaftliche Anforderung einzuleben, vielmehr erfüllte es sich mit der Aufgabe, sich gegenüber allen äußeren Mächten zu wahren, sich vor ihnen abzuschließen. Was frühere Entwickelung war, durfte nicht als umgestaltende Bewegung anerkannt werden, es konnte nur dann als berechtigt erscheinen, wenn es als uralte Ueberlieferung, Tradition, und vollkommen entsprechende Deutung des Schriftwortes, Interpretation, galt. Wohl fühlte man schon am Ende der babylonisch-gemaristischen Zeit die Willkür, die Jncongruenz in dem herrschend gewordenen Deutungsverfahren, es klingt hie und da ein Widerstreben, wie ein Protest nüchternen Sinnes durch, dennoch beugte man sich unter die Methode, die nun einmal ein nothwendiges Resultat vorangegangener Gestaltungen war. Die Auflehnung der Schriftauffassung nach schlichtem Verständnisse gegen die gezwungenen Deutungen wiederholte sich, sooft die Wissenschaft Eingang fand, und dennoch vermochte man von dem zur Gewalt gelangten künstlichen Jnterpretationsverfahren sich nicht zu befreien. Trotz all dieser Enge bekundet sich die geistige Kraft des Judenthums in der Mannichfalrigkeit anregendster Bestrebungen, in einer reichen Zahl von Schöpfungen, die, wenn auch mit dem eigenthümlichen Gepräge ihrer Zeit versehen, doch eine wunderbare Schärfe und Tiefe der Denkkraft, eine höchst gesunde Innigkeit sittlicher Empfindung bekunden. Eine neue Zeit war eingetreten; sie schuf sich neue Träger und für diese einen neuen Namen. Schon war ehedem auf den R06H, den Seher göttlicher Erscheinungen, der Nabi gefolgt, der Verkünder göttlicher Offenbarungen und Mahnungen, auf diesen