Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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24 III. Wirksamkeit an der Hochschule bringen werde, an der auch die Frommen vergangener Geschlechter in der Belebung der Todten, einem von Persien mitgebrachten Glauben, theilnehmen werden. Auf das jüdische Heimathsland konnte das Griechenthum, als feindliche Macht, keine geistige Einwirkung üben, Wohl aber auf die außerhalb Palästina's lebenden Juden, zumal in Aegypten. Eine alexandrinische Geistesrichtung erstand in Philosophie und in allen Literaturgebieten, die nach Innen veredelnd wirkte und weithin Saaten ausstreute, eine neue Weltzeit vorbereitend. Innerhalb Judäa's aber verengte sich der Blick im Parteienhader. Wohl ward die Macht des Priesterthums untergraben, der Dignitat des Opferdienstes stellte sich der Gottesdienst im Gebete als ebenbürtig und mehr und mehr ihn verdrängend zur Seite; aber indem jene beiden nicht ganz überwältigt wurden, umspann man die Gesammtheit mit priesterlicher äußerlicher Heiligkeit und übertrug die Bräuche der Opferweihe auf das tägliche Leben. Wohl waren die großen Ideen des Judenthums, der reine Gottesglaube und die edlen Lehren geläuterter Sittlichkeit, nicht verblichen, sie lebten sich tief innerlich ein, und dennoch ward es zum eifrigen Anliegen, die zum Theile priesterlichen, aber nun auf das ganze Volk ausgedehnten, zum Theüe alterthümlichen Satzungen mit Peinlichkeit auszuarbeiten und in alle Gebiete des Lebens einzuführen. Das ist das Werk der Tradition, die auf der einen Seite den alten Geist erfrischend fortleitete, auf der andern ihn in das enge Gewand erschwerender Gebote einschnürte. Die letzte Zeit der zweiten Tempelperiode war die der heftigsten Aufregung, der mächtigsten Gährung, welche die brennendste Sehnsucht, den verzehrenden Eifer nährte. Ihr verdankt das Christ ent hum seine Entstehung, der Auflösung des jüdischen Staates, der allgemeinen Verzweiflung seine Erstarkung, den derschiedenartigen Elementen, aus denen es Anhänger gewann, den in einander sich mischenden pharisäischen, sadducäischen und alexandrinischen Anschauungen und Hoffnungen seine erste Gestaltung. In der dadurch bewirkten Zersetzung eröffnete es sich allmälig den Eintritt in die Heidenwelt und ward zur Weltmacht. Nach der Zersprengung des einigenden Volksthums schlossen sich die vereinzelten Glieder enger im Geistesleben zusammen, und gerade in den äußerlich erkennbaren den ganzen Lebenswandel ordnenden Vorschriften fanden sie das sichtbare einigende Band.