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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 23

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 23 (sequence 27)
Language
German
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für Wissenschaft des Judenthums. 1. 23 Herstellung nach alten Erinnerungen, aber unter ärmlichen und beengten Verhältnissen ersteht ein Anklammern an den Tempel und seine Träger, an den Inhalt der geretteten alten Schriften und an die ererbten Sitten, zugleich aber auch die Sehnsucht nach weiteren und freiern Zuständen, das Verlangen, das ganze Volk für seinen Weltberuf heranzubilden, die Heiligung der Gesammtheit herbeizuführen. Ein innerer Zwiespalt ist gegeben, der während der ganzen zweiten Tempelperiode hindurch immer weiter auseinanderklafft und nicht ausgeglichen werden kann, der seine Folgen bis zur Gegenwart fortsetzt. Das Priesterthum, die Zadok-Familie war Diener und Verwalter am Tempel, dem Nationalheiligthum, dem Sinnbilde der Volkseinheit, dem Träger des großen Gedankens von dem einen Gotte und von dem Berufe Israels, in seinem Dienste sich zu heiligen und seine Erkenntniß über die Welt zu verbreiten; als solche war sie zu erhöhtem Ansehn gelangt. Sie wurde der herrschende Stand, die Aristokratie, welche die Angelegenheiten des Staates lenkte und zugleich in priesterlich heiligem Schmucke strahlte. Der Kern des Bürgerthums, in Vaterlandsliebe erglühend, die religiöse Mission Israels tief ins Herz sich prägend, schloß sich möglichst vom Heidenthum ab, hütete treu die ererbten Satzungen und wehrte dem Eindringen heidnischer Vorstellung und Sitte. Sie, die Abgesonderten, ״Nibdalim", Pharisäer, scharten sich willig um die Zadokiten, beobachteten sie aber bald mit Mißtrauen, als die Aristokratie ihre Standeswürde der Sorgfalt für das Gesammtwohl voranstellte und sich ihrer priesterlichen Bevorzugung überhob. Das Streben nach gleicher Berechtigung aller Volksclassen, der Heiligung der Gesammtheit ließ sich nicht vereinen mit der Anerkennung besonderer Rechte und Vorzüge, welche dem Priesterthum nicht entzogen werden tonnten, und so nagte ein Zwiespalt in den Zharisäern, der Zu verfehlten Ausgleichen führte und die Sehnsucht nach einer andern Gestaltung der Verhältnisse in ihnen nährte. Verstärkt ward diese Sehnsucht durch die Abhängigkeit vom Auslande, die sie fast nie ganz von sich abwälzen konnten, und in der die Selbstständigkeit zuerst vom Griechenthume, später vom Römerthume ganz erstickt zu werden drohte. Mit der möglichsten Absperrung gegen die fremden Einflüsse verband sich die Hoffnung auf eine wunderbare Gottesthat, die durch die Sendung eines Weltmacht entfaltenden gesalbten Königs, eines Messias, Rettung und Heil

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