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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 22

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 22 (sequence 26)
Language
German
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22 III. Wirksamkeit an der Hochschule für Thatsachen und Anschauungen schriftliche Denkmale in reicher Anzahl vor, die theilweise noch durch Zeugnisse der außerjüdischen Geschichte controlirt werden können; auf festem historischem Grunde stehend, können wir den Faden der Entwickelung leichter finden und darlegen. Schwieriger ist die Aufgabe für die zwei ersten Zeitabschnitte, für welche die Hülfsmittel spärlich, die Ueberlieferungen weniger zuverlässig sind, während sie gerade, als die grundlegenden für alle Folgezeit, von überwiegender Wichtigkeit sind. 1. Vor Allem müssen für die Offenbarungszeit die äußern und inneren Bedingungen der Entwickelung erkannt werden. Der kleine Landstreifen, Palästina, auf dem das Judenthum erwächst, lag in der Mitte zwischen zwei großen Weltreichen, die zugleich maßgebende Culturstaaten sind, zwischen Aram und Aegypten; sie zwängen den Binnenstaat in enge Gränzen ein, aber sichern ihm auch durch gegenseitige Eifersucht längere Zeit seine Selbstständigkeit. In dem mächtigen Drange zur Selbsterhaltung und Unabhängigkeit schärft sich das Nationalgefühl in den aus Aram eingewanderten, Zum Theile auch zeitweilig nach Aegypten gedrängten Stämmen, das im Kampfe mit den Urbewohnern noch mehr erstarkt. Unter den Stämmen selbst, die erst allmälig ihre festen Sitze gründen jenseits wie diesseits des Jordan, erwacht nicht minder die Eifersucht um die Hegemonie. Die roheren und sinnlicheren, zuerst freilich erstarkend und Obmacht erlangend, müssen der siegenden Kraft des enfalteteren Geistes Weichen, und in Juda kommt das Princip der strafferen Volks- und Staatseinheit, des einen Tempels und des einzigen Gottes zum vollen Siege. Den Stufen der inneren geistigen und religiösen Entwicklung, die nur dem wunderbar erleuchteten Volksgenius in solcher Weise aus rohen Anfängen gelingen kann, muß in den geschichtlichen Thatsachen und den geretteten schriftlichen Denkmalen, jener Herrlichen Literatur, die kindlich und erhaben zugleich, schlicht und von den höchsten Ideen getragen, nachgegangen werden. Die allgemeine Einleitung zeichnet nur in großen Strichen dieses edel gesättigte Bild. 2. Was schon am Ende des judäischen Reiches sich befestigt und vertieft hatte, ward im babylonischen Exile, bei dem Aufenthalte unter einem neuen begabten Volke, dem der Perser, und mit der Rückkehr noch innerlicher und zum unverwüstlichen Eigenthum. Mit den neuen Zuständen, mit dem Ernste zur Wieder-

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