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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 21

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 21 (sequence 25)
Language
German
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für Wissenschaft des Iudenthums. 1. 21 Nur als mächtig einwirkende Bedingung für die innere Entwickelung muß die äußere Lage gewürdigt werden. Eigenartig ist diese Geistesgeschichte. Sie ragt in die dunkle Vorzeit des Alterthums hinaus und reicht hinunter bis in die unmittelbare Gegenwart. Die Kunde von der Urzeit des Judenthums ist vielfach umklungen von dem Dichterworte der Sage zu uns gelangt. Aber in dem Keimpunkte und seiner Entwickelung ist wesentlich schon die ganze spätere Entfaltung vorgebildet, darum müssen wir das Geheimniß des Werdens belauschen, so keusch und schamhaft es sich im Dunkel verbirgt. Das rechte Verständniß der offen daliegenden Folgezeit wird nur erlangt, wenn die Anfänge in ihrer Entstehung zur Erkenntniß gelangen. Die Geschichte als Wissenschaft muß hier Voraussetzungslos zu Werke gehn, ohne vorgefaßte Meinung muß sie nach den auch sonst angewendeten kritischen Gesetzen prüfen, und je tiefer sie von dem Segen und dem Weltgeschichtlichen Einflüsse des Judenthums sich durchdringt, umso sorgsamer muß sie dem Ursprünge nachgehn und das allmälige Wachsthum verfolgen. Die Geschichte des Judenthums zerlegt sich in vier Perioden. Die erste ist die der freien schöpferischen Gestaltung, die Zeit der Offenbarung, bis zum Abschlüsse der biblischen Bücher; sie gränzt sich im Ganzen mit dem Exile ab und dehnt sich dennoch durch ihren Nachwuchs weit darüber hinaus. Die Zweite ist erfüllt von der Ausarbeitung des ganzen biblischen Vorrathes, von dessen Gestaltung und scharfer Ausprägung für das Leben und dessen Einbildung in dasselbe, sie ist die Zeit der Tradition, vom Abschlüsse der Bibel bis zum Abschlüsse des babylonischen Thalmud. Ihr folgt die dritte, als die der peinlichen und mühsamen Beschäftigung mit dem Gegebenen, zu dessen Neugestaltung und innerlich freien Fortbildung man der Kraft entbehrt, sich auch die Befugniß abspricht, die Zeit der starren Gesetzlichkeit, bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts. Von da an beginnt die vierte, die neuere Zeit, in deren Mitte wir uns noch befinden, die Zeit der Belebung und Befreiung, der geistigen Erweckung und des Dranges zur Ergründung in der Wissenschaft, zur Fortent- Wickelung im Leben durch Vernunftgebrauch und geschichtliche For schung, die Zeit der Kritik, die ihre Arbeit begonnen und noch lange nicht erfüllt hat. Zur Erfassung der zwei letzteren Geschichtsperioden liegen uns

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