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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 16

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 16 (sequence 20)
Language
German
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16 II. Entstehung des Chrifienthums. stehenden, von ihm Eingesetzten, nun neue Priester. Die Gesetze aber, welche in der alten Ordnung um das alte Priesterthum sich gruppirten, an den Opferdienst vorzugsweise sich 'anlehnten, waren nun hinfällig geworden. Die Gebote und Satzungen, mit welchen die Pharisäer das ganze Volk heiligen wollten, fanden schon früher bei dieser Partei nur widerstrebend Anerkennung; nur die folgsame Anlehnung an Priesterthum, Tempel und Opferdienst war für sie Inhalt der Frömmigkeit. Das mußte für sie innerhalb des Christenthums, wenn sie sich ihm anschlossen, neu sich Herstellen, und so war das Hohepriesterthum Jesu, sein Opfertod, der Genuß des Opfermahles mit seinem Leibe und Blute, ein neues Priesterthum, ausgestattet mit der Weihe und Heiligkeit des alten, — die Anschauung, welche die übergetretenen Sadducäer dem jungen Christenthume zuführten. Hingegen war die fortbestehende Gültigkeit der pharisäischen Satzungen, ja des ganzen ״Gesetzes" aufs Tiefste erschüttert. Diese beiden einander widersprechenden Anschauungen, Von denen die pharisäische zuerst vorwiegend in den christlichen Begründungsschriften ihren Ausdruck fand, aber auch die sadducäische in dem ״Hebräerbriefe" H, haben in ihrer gegenseitigen Zersetzung schon von vornherein die Bestandtheile abgeschwächt und sich in eigenthümlicher Weise mit einander vermischt, eine Unklarheit genährt, die gerade einer so trüben Gährung, wie sie die damalige Zeit beherrschte, vollkommen zusagte. Die aus der eigenthümlichen Mischung gebildete neue Anschauung gestaltete sich nun etwa folgendermaßen: Die Weltordnung ist zerstört, von ihr, wie sie nun in Ungerechtigkeit und Gewaltthat zum Verderben geworden, wie in ihr die Sünde, der Satan, als Fürst dieser Welt, zur Herrschaft gelangt ist, muß der Fromme sich abwenden. Die gegenwärtige irdische Herrschaft der Heiden und der Gottlosen kann keine Anerkennung verlangen, man muß ihr wie dem ganzen Erdentreiben sich entziehen. Eine neue Weltordnung, in der Gott und seine Getreuen herrschen, muß eintreten; sie wird hergestellt durch den längst erwarteten Gesalbten, Messias, Christus, der auch bereits erschienen, aber zur vollen Begründüng seines Reiches, das er nun erst verkündet und vorbereitet hat, nochmals in aller Herrlichkeit erscheinen wird. Dieser Messias ist ein Wesen höherer Art, er der wahre König, dem die Wallung -) Bgt. diese Ztschr. Bd. VII. S. 121 u. Gd, VIII. S. IÜ3 ff.

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