Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Entstehung des Christenthums. 17 über die ganze Menschheit anvertraut ist, er auch der Hohepriester, der dieses Institut in höherer Verklärung darstellt, er zugleich aber das ewige Opfer, der durch seinen Tod die Menschheit gesühnt, und am Genüsse seines Opfers, an seinem Fleische und Blute, heiligt sich der Mensch. Aber sein Tod ist nicht andauernd; als höherer Natur ersteht er vom Tode, ist bereits auferstanden, eine Bürgschaft der Auferstehung, die für die ganze Menschheit in der erneuten Messiaszeit eintreten muß. — Wie stebt es nun aber mit den religiösen Satzungen? Nun, eine neue Weltordnung ist eingetreten, das Gottesreich muß sich nun über die ganze Menschheit erstrecken unter der Leitung der messianischen Juden, welche die erste Stelle auch immer behaupten werden. Aber Tempel, Opferdienst, aaronitisches Priesterthum sind gefallen, das neue Priesterthum ist ein die Gesammtheit umfassendes. Die Satzungen, wie sie neben den altpriesterlichen schon früher bestanden, bleiben in Geltung, wie es die Uebertretenden aus den Pharisäerreihen derlangten und die aus den Reihen der Sadducäer nachgaben. Gemäß diesen aber tritt das Leibesmahl an dem täglichen Messiasopfer in den Vordergrund. Man bleibt auf dem Boden des Judenrhums, wenn auch Vieles fällt und sich verschiebt. Aber noch ein neues jüdisches Element, das der griechischen Juden mit der eigenthümlich philosophischen, alexandrinischen Richtung tritt hinzu. In ihr hatte sich der Glaube an eine aus Gott hervorgehende Kraft gebildet, welche zwischen ihm und der Welt vermittele. Sie nannten sie den ״Logos", die Idee, den Gedanken, das Wort. Mit ihm brachte man den nun herrschend gewordenen Glauben von der Erscheinung des Messias in engen Zusammen- Hang. Der Messias ist eben der Logos, also nichtein Mensch, sondern eine unmittelbar aus Gott hervorgehende Kraft, in ihm geboren, also von keinem menschlichen Vater, da Gott der Vater ist, aber doch als Mensch erschienen, also von einer menschlichen Mutter. Nun wird der Messias ein Gottmensch. Der Weg zum Heidenthum ist geöffnet, der Uebergang zum Heidenchristenthum um so mehr angebahnt, als das alte treugebliebene Judenthum von solcher Verquickung mit heidnischen Vorstellungen mit Abscheu sich abwendet. Und nun neue Gährung, abermalige Jneinanderschiebung der widersprechendsten Begriffe, nothwendiger Kampf gegen die widerstrebende Vernunft, deren Abschlachtung durch das Messer des in das Dunkel der Geheimnisse sich hüllenden Lierteljcchresschrift XI. 1. 2. 2