Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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14 II. Entstehung des Christenthums. genannt, und haben ohne Zweifel nach der Katastrophe mehrere seiner Gesinnungsgenossen sich ihm und seinem Kreise angeschlossen. Sie brachten ihre ganze trotzige Abneigung gegen das ״Reich dieser Welt", die entschiedenste Feindseligkeit gegen die anmaßenden ״Völker" und die vollste Erwartung von der Herstellung eines über alle unreinen Heiden siegreichen jüdischen Volkes mit in ihre neue Gemeinde. — Von besonderer Bedeutung waren die Neuhinzutretenden aus den beiden einflußreichsten Parteien, den Pharisäern und Sadducäern. Aus jenen war überhaupt die neue Bewegung hervorgegangen, und sie bewährte nach den gewaltigen erschütternden Ereignissen ihre Anziehungskraft noch umsomehr auf deren Glieder. Sie halten den Kampf gegen die weltliche Macht nur nothgedrungen ausgenommen, waren bereit sich zeitweilig in die gegebene Lage zu fügen, erwarteten die Erhöhung Jsrael's nicht durch Waffengewalt, sondern durch die unmittelbare wunderbare Fügung Gottes. Sie ergaben sich nun, wenn auch mit Widerwillen, in die Lage der Dinge, nahmen ״das Joch" des Staatsgesetzes ruhig über sich, aber verlangten nun noch mit entschiedenerem Nachdrucke die allgemeine Uebernahme ״des Joches des Himmelreiches", d. h. der Anerkennung Gottes als des alleinigen Weltenherrschers und der von Allen gleichmäßig zu übenden göttlichen Gebote. Schon bei dem Bestände des jüdischen Staates, Tempels und Priesterthums hatten sie die Vorzüge des letzteren zu beschränken gesucht, die priesterliche Heiligkeit allen Israeliten zuzuwenden unternommen, eine große Anzahl blos für die Priester bestimmter, von diesen in Anwendung gebrachter Vorschriften auf das gesammte Volk übertragen; doch vermochten sie die Scheidung zwischen Priestern und anderem gesetzestreuen Volke nicht gänzlich aufzuheben. Nunmehr war der Tempel gefallen, dem Priesterthum seine herrschende Macht entzogen, der priesterliche Dienst unmöglich gemacht. Der Theil der Pharisäer, welcher sich nicht mit der Hoffnung trug, daß die alten Zustände lediglich suspendirt seien und binnen Kurzem wieder hergestellt sein würden, welcher den Bruch vielmehr zugestand, mußte auch hierin den Anbruch der von ihnen so sehnlichst erwarteten neuen Zeit, die Erscheinung des Messias anerkennen, war bereit in Jesus diesen Messias zu erblicken, und war durch ihn noch nicht Alles vollendet, so erwartete er sein baldiges Wiedererscheinen. Mit der Messiaszeit trat aber auch,