Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Entstehung des Christenthnms. 13 Wandlung nunmehr ihre überkommene Parteianschauung erfahren mußte, und wie durch die Zusammenfassung dieser einzelnen sich in einander schiebenden Bestandtheile verschiedene, auf abweichenden Grundlagen sich heranbildende Auffassungen nach und nach zu einem Ganzen zusammenflossen, das von jeder etwas enthält, keine aber so stark hervortreten läßt, daß sie die in ihrem ursprünglich kleinern Kreise vorherrschende Gesinnung voll ausdrückt. Die Untersuchung hierüber ist bis jetzt von der christlichen Forschung noch fast unbeachtet geblieben, sie aber ist eine Aufgabe von hervorragender Bedeutung. Bei den verschiedenen Richtungen innerhalb des damaligen Judenthums mußte sich nämlich die Annähme von einem Messias, der erschienen uud dessen baldiges Wiedererscheinen in neuer Herrlichkeit zu erwarten war, sehr verschieden nüanciren. Auf eine damalige Richtung kommt die christliche Forschung, weil sie die unbekannteste ist, phantastischer Ausmalung den weitesten Spielraum vergönnt, mit großer Vorliebe, aber ohne alle historische Begründung immer zurück. Die Essäer nämlich waren in ihrer bisherigen Lebensordnung gerade am Wenigsten von dem Umschwünge der Dinge berührt. Ihre Zurückgezogenheit und Weltflucht, ihr abgesonderter Verkehr innerhalb ihrer engeren Kreise und ihre strenge Lebensweise mochte kaum eine Aenderung erleiden; sie konnten in ihrer bisherigen Auffassung nur bestärkt werden, und traten Einige von ihnen in den christlichen Kreis ein, so mehrten sie Wohl die asketische Gebrochenheit in demselben, ein neues thatkräftiges Streben und neue Anschauungen führten sie kaum zu. In fast vollem Gegensätze zu ihnen war bei den Kannaim, den Zeloten, das Streben vorzugsweise ein staatliches, der Kampf gegen die ausländische Herrschaft und damit überhaupt gegen den menschlichen Herrscher. Während ein Theil von ihnen den alten Kampf offen oder versteckt fortsetzte oder, wenn auch für den Augenblick den Kampf einstellend, ihre Hoffnungen still nährten und in jedem scheinbar günstigen Momente zu neuem Ausbruche bereit waren: traten wohl manche von ihnen sicherlich der christlichen Secte bei, um in Verbindung mit ihr die Verleugnung der jetzigen Weltordnung in Vollzug zu setzen. Schon unter den Aposteln wird ein Simon Kannai (Kananites, Matth. 10, 4. Marc. 3, 18. l) oder Zelotes (Lucas 6, 15. Apostelgesch. 1, 13.) v) Falsch in Luther's Uebersetznng: Slmon von Cana.