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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 11

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 11 (sequence 15)
Language
German
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II. Entstehung des Christenthums. 11 und eindringendem Scharfsinn ans Tageslicht gefördert worden, das hat neulich Heinrich Lang*) übersichtlich und lichtvoll dargelegt und es durch einfache, klare und eingehende Darstellung einem jeden Gebildeten zugänglich gemacht. Wir können hier den großen geistigen Ertrag überschauen, welchen die Wissenschaft durch ihre mühsamen Untersuchungen erworben hat, wir gelangen damit zum Verständnisse eines Ereignisses, das aus kleinen Anfängen zu einer so mächtigen welthistorischen Erscheinung geworden ist, namentlich lernen wir die Schriften, welche uns über dieselben berichten, und die einzelnen in sich widerspruchsvollen und insgemein fremdartigen Berichte nach den sie bewegenden Antrieben erfassen. Freilich wird sich auch hier schon Herausstellen, daß die Forschung mit Vorliebe sich fast ausschließlich nach einer Seite hin, einem engeren Kreise zugewendet hat, die andere aber, Wohl nicht minder wichtige unbeachtet gelassen. Man ist zu der Erkenntniß gelangt, daß die neue Religion zuerst lediglich ein Judenchristenthum gewesen ist, das Heidenchristenthum erst später, vorzugsweise durch Paulus, sich herausgebildet, beide Richtungen längere Zeit mit einander heftig gerungen, endlich sich in einander umgebildet und in dieser Vermischung das letztere vorwaltend den Sieg erlangt. Nun, dann mußte auch das Judenthum der damaligen Zeit, eben derjenigen, in welcher die Vollendung des Christenthums in seiner Ausgestaltung sich vollbrachte, als der geistige Boden, auf dem sich diese Vollendung vollzogen, mit dem vollsten Eindringen erkannt worden. Das ist aber bis jetzt noch kaum in Angriff genommen. Die Juden waren nämlich zuerst ausschließlich die Träger der neu sich bildenden christlichen Anschauung; die Ereignisse, welche unter und mit ihnen sich damals zutrugen und die Gedankenbewegung, welche dadurch in ihnen angeregt wurde, sind nothwendig für diese Neubildung bestimmend gewesen. Diese Ereignisse bedeuten aber den nothwendigen vollständigen Bruch mit der Vergangenheit. Ein aussichtsloser Kampf war ihnen aufgedrängt worden um die Erhaltung des unabhängigen jüdischen Staats- Das Leben Jesu und die Kirche der Zukunft (als erstes Heft der unter dem Gesammttitel: ״Deutsche Zeit- und Streitfragen" von Holtzendorf und Oncken herausgegebenen ,,Flugblätter zur Kenntniß der Gegenwart". Berlin. Lüderitz. 1872. 58 S. 8.)

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