Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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8 II. Entstehung des Christenthums. auf dem Kampfplatze der Machtstellung verharren, nicht bei ledig-!ich juristischer Abwägung verbleiben, nicht bei dem dürren Realismus, der sich viel damit thut, nur Werth zu legen auf das was er betasten kann, uns befriedigt erklären. Das real Ueberwucherte will real vom Schlingkraute befreit sein; ist diese Arbeit vollbracht, dann werden auch die höheren Bestrebungen wieder zur vollen Geltung gelangen. Unterdessen bereiten wir in unverbrüchlicher Treue vor, pflegen wir das wahrhaft religiöse Geistesleben, bauen wir die Wissenschaft weiter an. Ihr Sieg ist heute schon errungen, ihr Banner wird weiter siegreich dahingetragen werden. 26. April. II. Entstehung -es Christenthums. Der menschliche Geist begnügt sich nicht mit der kritischen Verneinung und der Zersetzung hergebrachter Annahmen, er derlangt deren geschichtliche Erklärung, er will die Einsicht in deren zeitlich bedingte Entstehung gewinnen; er beruhigt sich nur in der Ueberzeugung, daß die bisher herrschenden Annahmen gemäß dem Gange einer in früheren Geschichtsabschnitten vollzogenen Geistesentwicklung nach innerer Nothwendigkeit entstanden sind, nunmehr aber vor dem Lichte neuerer Erkenntniß als bloße Schattenbilder schwinden müssen. Zumal bei einer geschichtlichen Annahme, welche noch immer fast das ganze Leben der Einzelnen und der tonangebenden Culturvölker insgesammt beherrscht. Eine solche Geistesmacht ist das Christenthum. Solange man es sich daher nicht zur vollen Klarheit gebracht, wie es möglich gewesen, daß dasselbe bei seiner unfern Anschauungen so fremdartigen Erscheinung in die Welt getreten ist und die Geister sich unterjocht hat, solange wird der Denkende nicht zum Abschlüsse gelangt sein, mag er sich auch noch so sehr von dem Glauben an die sagenhaften Ueberlieferungen, auf die es sich geschichtlich stützt, und von den speculativen Voraussetzungen, mit denen es seinen Inhalt begründet, befreit haben. Der fruchtbare Gehalt der wissenschaftlichen Untersuchungen innerhalb des christlichen Gebietes, welche seit einem Menschenalter