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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 7 (sequence 11)
Language
German
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Streit um die Herrschaft. 7 tritt die innere Umgestaltung nur in vereinzelten Aeußerungen hervor; dennoch sie ist die nothwendige Voraussetzung, ohne welche die einzelnen Maßnahmen ganz undenkbar wären. Daher kommt es auch, daß das Judenthum, welches einer jeden Machtstellung gegenüber dem Staate entbehrt, von diesem Kampfe selbst in seiner Verhärtesten Gestalt unberührt zu bleiben scheint, ja daß dieser vielleicht irgend ein augenblicklicher Vortheil erwachsen mag. Aber auch im Judenthume bekundet die Kampfesart, wie derselbe nämlich von Seiten der Rückschrittstendenzen geführt wird, gleichfalls aufs Ueberzeugendste, daß sie sich als im vollsten Widerspruche mit der ganzen Zeitrichtung erkennen und sich damit als völlig überwunden erklären. Der Schritt, welchen sie unternehmen, ist nur von der äußersten Verzweifelung eingegeben. Nur dann drängt eine Partei, zumal im Judenthume, das den Grundzug der Einheit, des lebendigsten Zusammenhanges unter seinen Genossen, so tief in sich trägt, — nur dann drängt eine Partei auf Loslösung, wenn sie das Vertrauen zu sich, zu einem möglicherweise zu erlangenden Einflüsse auf die Gesammtheit, zu einer Verbreitung ihrer Ueberzeugung und Bestrebungen über die Genossen weithin vollständig verloren hat, wenn sie im Gegentheile von dem Jnstincte getrieben wird, sie werde, wenn der Zusammenhang mit den anders denkenden Genossen forlbestehen bleibt, allmälig aufgezehrt werden. Diese, allerdings berechtigte, Furcht ist die Wurzel aller Trennungsgelüste; nicht weil ihnen etwas in den Weg gelegt würde — sie haben im Gegentheile alle Freiheit —, sondern das Gefühl, daß sie sich anders nicht erhallen können, treibt sie wie ein unabwendbares Verhängniß. Damit ist die innere Ohnmacht, damit die Scheinexistenz constatirt; alles Poltern, alles krampfhafte Aufblähen kann an dieser bezeugten Thatsache Nichts ändern. 4. So ist der tiefere Grund, aus welchem die gegenwärtigen Erscheinungen hervorgegangen und hervorgehn, so Unerfreuliches in ihrem Gefolge sein mag, schon erhebend genug. Aber nicht minder müssen daran sich neue höchst förderliche Geistesentwickelungen knüpfen, die erst auf dem befreiten Boden gedeihen. Wenn die geistliche Zwingburg abgetragen, die Fesseln, welche der Staat zu Gunsten der Geistesknechtschaft dargeboten und festgenietet hat, gebrochen sein werden, dann wird auch die innere Bewegung ihren ungehemmten Fortschritt unternehmen. Verzagen wir nicht an der Macht des idealen Zuges in der Menschheit! Wir werden nicht

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