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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 6 (sequence 10)
Language
German
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6 I. Zwiespalt im Denken, flachsten Veräußerlichung, vertrockneter Gedankenschlacken, die alles edlen Gehaltes entbehren! 3. Man kann an einem solchen Kampfe keine rechte Freude haben. An Ausweisungen und Jnternirungen, an Geld- und Gefängnißstrafen ב) wächst kein Geistesleben, ebensowenig wie an der Anwendung der Gewissensfreiheit auf jede Anmaßung. Und dennoch! So wenig ermunternd das Auftreten der Gegensätze sein mag, so bedeutend ist es als Wirkung und als Ursache. Denn was jetzt vor unfern Augen sich entwickelt, ist ja nur die Wirkung jener mächtigen geistigen Umgestaltung, die sich allmälig im Innern vollzogen hat und nun nach äußerer Betätigung drängt, nachdem man dieselbe lange zurückgehalten. Was man zu verschweigen, zu übertünchen suchte, kommt an's Tageslicht. Der Katholieismus drängt nothwendig zum Ultramon- Lanismus, zu Jesuitismus, Verleugnung des Staates, Vergötterung des Papstthums hin. Was er früher nicht nöthig hatte, als er noch eine die Gesinnungen beherrschende Macht war, muß er nun, da er diese eingebüßt hat, zu seiner Selbsterhaltung — freilich damit auch zu seiner Vernichtung— offenbaren, er muß seine äußersten Consequenzen bloslegen, anstreben und so sich selbst auflösen. Man hat ihn bis jetzt in feudalen und polizeilichen Interessen gehegt; aber der Zwiespalt der Gesinnungen und Anforderungen der Gegenwart mit seinen Ansprüchen ist nun zu offenkundig geworden, als daß man ferner so fortfahren könnte. Man glaubt freilich oder giebt vor, nur einige faule Blätter beseitigen zu wollen, aber diese kommen aus der kranken Wurzel; der Kampf ist gegen diese oder führt zu deren Wegschaffung. Auch der Protestantismus ist, insofern er gläubiges specifisches Christenthum sein will, schon längst in Gegensatz getreten zur Wissenschaft, und diese hat ihn von sich abgcwiesen. Aber auch ihn hat man gepflegt und den Widerspruch gegen ihn so lange unterdrückt, bis seine Ungeheuerlichkeit zu offenkundig und zum Steine des Anstoßes geworden. So muß denn auch an ihn gerührt werden, und geschieht es auch mit großer Zartheit, so geschieht es dennoch auch hier, weil die Wurzel bereits abgestorben ist. Indem nun der Kampf als eine Machtfrage sich offenbart, *) Ob die Bestimmungen nothwendig sind oder nicht, billig oder nicht, Dies zu entscheiden, Liegt natürlich hier außer aller Absicht.

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