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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · p. Seite 156

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 156 (sequence 159)
Language
German
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156 Aus Briefen. in dem jüngst erschienenen 2. Bande S. 341 die nämliche Geschichte von 40 verbrannten Scheffeln (oder 70 Cur) wiederholt. Nun schlage man den Josephus auf, da wird man kein Fünkchen von einer Flamme finden, und wie hätte man auch für Peßach so viel Mehl verbrannt! Es handelt sich sehr wahrscheinlich von im Tempel nach den Hungerjahren aufgehäufter neuer Frucht, von der vor der Darbringung der Omergabe nicht gegessen werden durfte. Allein von einem Verbrennen ist nicht im Entferntesten die Rede. Aus der Antwort, Berlin 10. April. ... Mit dem Christenthume und seinen Theologen ist es wirklich eine traurige Sache. Der Katholieismus geht in seinen ultra* montanen Ausschweifungen geradezu darauf aus, alles freie Bürgerthum und alle Bildung zu unterdrücken, und seine Macht ist noch sehr groß. Der orthodoxe Protestantismus steht ihm darin wenig nach, nur daß es ihm an geschlossener Gliederung und selbst״ ständigen Machtmitteln gebricht, so daß er mehr auf die ihm lange Zeit und noch fortdauernd so bereitwillig dargebotene Unterstützung einer finstern Regierungsmaxime angewiesen ist. Das scheint sich neuerdings etwas zu bessern, aber die halben Schritte werden wenig ausreichen, und ob man sich zur Energie ausraffen kann, muß abgewartet werden. — Aber die freisinnigen Richtungen, wie kläglich find auch sie! Ich schweige von dem Altkatholicismus, der erst im Werden ist, der jedoch in seiner Halbheit wenig Bürgschaft für Dauer und kräftige Entwicklung hat. Ich freue mich dieses zersetzenden Elements innerhalb des Katholieismus, meine besten Wünsche begleiten ihn; aber die Mischung von Gebundenheit und Freiheit eröffnet wenig Aussichten. Und nun der freie Protestantismus! Da hat hier der Unionsverein Vorträge veranstaltet. Manche waren bei aller vorsichtigen Haltung doch vernünftig und haben wirklich den Rednern Verweise, Quälereien eingebracht. Zum Schluffe blieb es aber doch dabei: Christ ist wirklich auferstanden! Die armen Leute Hetzen Vernunft und Geschichte herum und kommen nicht vom Flecke. Jesus muß nun doch einmal etwas Außerordentliches sein, er ist und bleibt der Mittelpunkt der Geschichte, und da er doch am Ende gar nichts gethan, muß doch eine Art Gott aus ihm gemacht werden, wenn auch noch so abgeschwächt. Natürlich muß ferner das Judenthum seiner Zeit so grau in grau gemalt werden,

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