Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 154)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Briefen. 151 Zeit zu beseitigen, dazu bedarf es noch sehr ernster Anstrengungen von jüdischer Seite, die ihres allmäligen Einflusses sicher sind, wie sich auch jetzt schon manche Spur davon zeigt. Freilich hat die Juden selbst die christliche Mißdeutung angefressen; wie Sie richtig bemerken, hat Aberglaube, der auf christlichem Boden entstanden, auch bei ihnen Eingang gefunden und wird mancher oberflächlichen äußerlichen Nachahmung ein Werth beigelegt, den sie nicht verdient. Doch wird auch dies, insofern ihm wirklich keine tiefere Bedeutung innewohnt, den eingehenden Forschungen, der unbefangenen Beleuchtung der strebsamen Gegenwart Weichen. Denn diese Hohlheit ist lediglich Frucht der Halbbildung, welche von der ächten Bildung beseitigt werden wird. Doch möchte ich fast glauben, daß Sie Manches zu spitz auffassen und nicht genügend Rücksicht nehmen auf die nothwendige und durchaus anzuerkennende geschichtliche Bewegung. Sie klagen z. B. die ״gebildeten Juden" an, daß sie ״sich beeilt die hebräische Sprache Zu vergessen". Hat man sie früher wirklich verstanden, herrschte nicht vielmehr ein Jargon, der mit hebräischen Elementen zersetzt war, und dessen Verschwinden vor der geläuterten Landessprache wir segnen? Das Hebräische, eine semitische uns fernliegende Sprache innehaben, was wir nunmehr darunter verstehen, ist nicht Sache der blos Gebildeten, denen wir ebensowenig zumuthen, gute Lateiner und Griechen zu sein, noch weniger Sache unmündiger Knaben. Darüber läßt sich leichter klagen und anklagen als Mittel zur Abhülfe flnden. — Sie haben selbst in Ihren ״Namen der Juden" gründlichst nachgewiesen, daß man griech. Namen wie Alexander, Antigonus, Kalonymus u. a. den biblischen gleichgestellt: worin liegt nun das Verbrechen, wenn man jetzt Vaterländische Namen wählt und lieber Ludwig als Leiser, lieber Babette als Bräunchen heißt? — Und ist das ״Lichtgepränge" bei Trauungen wirklich ״katholisch", begleiteten nicht ״Lichtfackeln (Abukoth schel or) auch jedes jüdische Fest, waren nicht die Habdalah-Kerzen, jedem Gaste überreicht, auch bei Trauungen üblich? — Sie scheinen sich verletzt zu fühlen durch den Gebrauch des Wortes ״Geistliche" für Rabbiner, ״Kirchhof" für Friedhof oder Gottesacker, ״Osterkuchen" für Mazzah? Aber, l. Fr., ist das nicht ein Kampf gegen sehr Unschuldiges? Diese Worte sind wirklich gar sehr harmlos, und wenn dem allgemeinen Sprachgebrauche hier etwas mehr nachgegeben wird als gerade nöthig ist, so ist es doch ganz unschuldiger Natur. Ich kann kaum glauben, daß Sie der banalen Riecherei des Hierarchenthums