Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 152)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2420973-2421013-2421014--3068-2423918- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus Briefen. 149 schlufse und zur Ausführung kam. Der Bau einer Gemeinde- Synagoge ward in Angriff genommen, und die Eröffnung derselben wird im Herbste erwartet. Nun tritt dort ein ganz neuer Abschnitt für die Gemeinde-Verwaltung ein; sie hat für die erste von der ganzen Gemeinde unternommene Synagoge Anordnungen zu treffen. Dabei konnte nun nicht daran gedacht werden, über die von der großen Privatsynagoge im I. 1854 getroffenen Anordnungen hinauszugehn; es muß im Gegentheile auf die bis jetzt dieser fernstehenden, für die Gemeinde-Synagoge aber mitberechtigten Elemente nunmehr Rücksicht genommen werden. Der nun nothwendige Compromiß wird nun sicherlich zu einer ״Rückwärts-Concentrirung" veranlassen, doch bleibt auch diese immerhin ein Fortschritt, den nun die Gesammtheit, wenn auch vielleicht in beschränkterem Maße, anerkennt, während er früher nur der Ausdruck eines, wenn auch noch so achtunggebietenden Theiles war. Die Thatsache, daß das frühere Gebetbuch der die fortschreitende Richtung vertretenden Cultus-Commission die Grundlage bildet für das neue Gebetbuch der Gesammtgemeinde, bleibt schwerwiegend genug. Die untergeordneten Einzelheiten mögen als ein vorläufiges Opfer dargebracht werden; im Gange der Entwicklung wird die Bänglichkeit und Vermittelungsseligkeit bald wieder der energischeren Gesinnung Platz machen müssen! Wenn das neue Gebetbuch an das Licht der Oeffentlichkeit treten wird, werden wir darüber weiter berichten. 26. März. Aus Briefen Aus einem Briefe des Hrn. Dr. Zunz an einen Freund. — — — Und seitdem ״gebildet" den ersten Rang unter den empfehlenden Eigenschaften eingenommen, haben auch gebildete Juden sich beeilt die hebräische Sprache zu vergessen, biblische Namen abzulegen, sich mit katholischem Lichtgepränge von ״Geistlichen" trauen und auf jüdischen ״Kirchhöfen" begraben zu lassen. Bereits fürchten sie sich zu 13 zusammen zu sitzen, oder etwas am Freitag zu unternehmen; an Weihnachten werden die Kinder beschenkt, die am Pesachfeste ״Osterkuchen" zu essen bekommen. Dieselben Gebildeten