Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 151)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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148 Umschau. dictionen in derselben Sprache vorzutragen sind". Dies ist auch bereits an dem jüngst verflossenen Purim in Ausführung gebracht worden. 2. ״Die Mitwirkung der Kohanim bei dem Segensspruche (Duchan) soll, zumal letztere sich bisher nur in äußerst dürftiger Anzahl an der Ceremonie betheiligten, fortan ganz wegfallen, dagegen der Segensspruch ברכך' fccm Vorbeter und Chor in feierlicher Weise vorgetragen werden". Die principielle Tragweite dieser beiden Beschlüsse giebt einen Maßstab für Geist und Charakter, von welchem das ganze Revisionswerk getragen wird. Die bisherigen eigenthümlichen Verhältnisse der Breslauer Gemeinde in Beziehung auf den Gottesdienst müssen auch ganz eigenartige Gestaltungen desselben ins Dasein rufen. Breslau nämlich hatte niemals eine der Gemeinde als solcher angehörige, von ihr ressortirende Synagoge. Die Gotteshäuser und Gottesstuben waren Privatlocale, die von einzelnen Gesellschaften gemiethet waren, und denen es oblag, die Mittel zu deren Erhaltung aufzubringen, wie auch die Anordnungen im Innern zu treffen. Dies ermöglichte denn auch, daß die Freunde des Fortschritts, sich unter energischer Leitung zusammenschaarend, sich freier bewegen konnten; sie machten nicht den Anspruch, in ihren gottesdienstlichen Einrichtungen die Gesammtheit zu vertreten, und hatten auch nicht nöthig auf abweichende Ansichten, die wieder anderswo ihren Ausdruck sich verschaffen konnten, Rücksicht zu nehmen. Daher kam es, daß seit den vierziger Jahren die dortige große Synagoge mehr und mehr der edleren Gestaltung des Gottesdienstes sich öffnete, und daß 1854 ein Gebetbuch festgestellt wurde, das der Ausdruck entschiedener Ueberzeugungstreue war, durch die Art der Bearbeitung die Gemüther mächtig an sich fesselte und weithin anregend wirkte. Es stellte sich ferner immer mehr heraus, daß die große Synagoge mit ihrer Richtung zwar nicht Gemeinde-Institut, dennoch maßgebend für das ganze Gemeindeleben war und es von Tage zu Tage mehr wurde. Wenn nun auch diese Lockerheit des Verbandes zwischen Shnagoge und Gemeinde sich als sehr heilsam erwies, so ward die Un- Natürlichkeit eines solchen Verhältnisses doch schmerzlich empfunden, und die Bemühungen um Aufhebung desselben, d. h. um Herstellung einer Gemeinde-Synagoge erneuten sich mehrmals, lange ohne durchschlagenden Erfolg, bis es vor einigen Jahren zum Be-