Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 149)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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146 Umschau. schauungen und Wünschen nicht vereinbaren lassen. Ihren vollgültigen Ausdruck finden diese letzteren in den deutschen Originalgebeten". Weiter wird bemerkt, daß der deutschen Sprache, namentlich für den Versöhnungstag, ein weiterer Raum gestattet worden. Mit diesen offenen Aussprüchen bildet nun die darauf folgende Bemerkung des Berichterstatters einen kläglichen Contrast, wenn er sich beeilt die Versicherung zu geben, welche seine eigne Aengstlichkeit wie ähnliche schwache Gemüther beruhigen soll, ״daß das Gebetbuch sich am wenigsten (?) von dem positiv-historischen religiösen Standpunkte des Judenthums entfernt." Doch warten wir die angekündigte Fortsetzung ab! 11. Febr. Bis heute ist mir ein weiterer Bericht über dieses Gebetbuch im üedr. Leader, obgleich versprochen und nach einer Vertagung abermals verheißen, nicht zu Gesicht gekommen, ebensowenig bin ich in den Besitz des Gebetbuches selbst gelangt, so daß ich weitere Auskunft darüber zu geben nicht im Stande bin. Unterdessen sind die beiden am Eingänge dieses Artikels angedeuteten wichtigen Unternehmungen bereits so weit vorgeschritten, daß eine allgemeine Nachricht über sie gegeben werden kann, wenn auch die Arbeiten noch nicht zum Abschlüsse gelangt sind. Es handelt sich um die zwei wichtigen Gemeinden Berlin und Breslau. Die Berliner Gemeinde war bekanntlich, nachdem 1823 die gewaltsamen Hemmungen von oben eingetreten, in der Gestaltung des Cultus sehr zurückgeblieben; die von den vierziger Jahren an gestattete freiere Bewegung fand an der unterdessen verhärteten geistigen Ermattung einen zähen Widerstand, der sich auch der Leitung der Gesammtverhältnisse bemächtigte. Es galt als großer, mehrfach angefeindeter Fortschritt, daß ״Bameh madlikin", ein ״Jakum Purkan", der größte Theil der Piutim beseitigt wurde, im Wesentlichen blieb Alles beim Alten. Mit der Erbauung der neuen Synagoge und der Anstellung Aub's vollzog sich wie im Allgemeinen so auch in Beziehung auf den öffentlichen Gottesdienst eine vollständige Umgestaltung; es datirt von 1866 ein neuer Zeitabschnitt in dem Geistesleben der Berliner Gemeinde. Die Errichtung einer neuen Synagoge neben der alten entzog der Stimme der einem Fortschritte im Cultus Widerstrebenden alle Berechtigung; ihren Stillstandsanforderungen entsprach nämlich der ungeändert fortbestehende