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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · p. Seite 145

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 145 (sequence 148)
Language
German
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Umschau. 145 bracht! Es scheint, daß die Redactoren auch in der Aufnahme dieser. Dichtung eine Uebereilung begangen, von der sie bei einer neuen Auflage Wohl zurückkommen dürften. In der biblischen Erzählung, aus deren Grund sich diese Akedah-Dichtungen erheben, liegen zwei Momente: Abraham's Gottesliebe, die so weit ging, daß der Patriarch selbst den einzigen Sohn opfern wollte, und Abraham's Emporsteigen zu einer lichteren Gotteserkenntniß, zur Erkenntniß, daß Gott kein Menschenopfer wolle. Für uns Israeliten liegt der Schwerpunkt in dem zweiten Momente, und dieses im Gebete und in der Predigt zu betonen, ist nicht nur vollkommen billig, sondern geboten. Der hingebende Gehorsam, die opferbereite Liebe in Abraham's Verhalten ist ja gar nichts, was den Stammvater besonders auszeichnet. Zur Zeit des Patriarchen haben Tausende seiner Landesgenossen ihre Söhne nicht blos ihrem Gott opfern wollen, sondern wirklich geopfert." Jedoch wir brechen hier ab, um den Bericht, sobald dieses Gebetbuch uns selbst zukommt, selbstständig wieder aufzunehmen. Diesen am 15. Jan. niedergeschriebenen Worten kann ich nun noch Einzelnes aus dem 86dr6^ Leader vom 19. Jan. anfügen. Das Gebetbuch trägt den Titel: עבודת ישראל, Gebetbuch für den öffentlichen Gottesdienst im ganzen Jahre u. s. w. Das Vorwort, welches der Berichterstatter mittheilt, enthält einige sehr beachtenswerthe Geständnisse, welche wir hier wiederzugeben nicht versäumen wollen. ״Das Verlangen — sagt der Herausgeber — nach einem adäquaten Ausdrucke des fortgeschrittenen Bewußtseins von der Messianität unseres Glaubensstammes und der menschheitumfassenden Bestimmung unseres Bekenntnisses beschränkte sich vor noch wenigen Jahren auf einzelne Gemeinden und in diesen auf einzelne Jndividuen. Seitdem ist dieses Bewußtsein allgemein erwacht und erstärkt. Die Ansichten über den eigentlichen religiösen Gehalt des Jüdenthums und über seine historische Weltstellung haben sich in diesem Decennium aus ihrer früheren Schwebe und Ungewißheit zur vollen Klarheit und Bestimmtheit heraufgebildet, so daß sich in den meisten Gemeinden die Forderung, die dogmatischen Stellen in unfern Gebeten im Sinne des Zeitgeistes umzugestalten, als eine dringende und unabweisbare geltend macht. — Diesem entwickelten Standpunkte gerecht zu werden, war der leitende Gedanke bei der neuen Bearbeitung dieses Gebetbuches. In den hebräischen Texten wurden die Ausdrücke verändert, die sich mit unfern heutigen An- Bierlellahresjchrifr L. 1 u. L. 10

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