Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 143)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Umschau. Platze war, da stand er da, eine treue Wacht, auch zur Abwehr jeder Rechtskränkung, wenn sie gegen die Juden verübt wurde. Noch zum letzten Male erhob er, schon von der Krankheit ergriffen, die Stimme gegen den Oberkirchenrath; sein jüdischer College, sonst ein Meister des Wortes, war still, und wie seine Abstimmung lautete, wissen wir nicht. — Nun trat bereits wieder ein Fall ein, und Kosch's beachtete Stimme fehlte. Die vom Schneidemühler Magistrat errichtete städtische Schule, für die alle Bürger beitrugen, besoldete auch einen jüdischen Religionslehrer; die Schule ging auf den Staat über, und dieser, indem er die Schule mit allen Rechten und Pflichten übernahm, strich dennoch alsbald in principienreiterischer Filzigkeit diesen Gehalt. Die Beschwerde kam an das Abgeordneten-Haus, und die Stimmen, auch nicht die des-jüdischen Abgeordneten, erhoben sich nicht laut für ein wohlerworbenes Recht, das zugleich ein Ausdruck der Gleichstellung ist. Das ist tief betrübend. Mag da, wo ein wohlerworbenes Recht nicht vorliegt, die Besoldung für den jüdischen Religionsunterricht, obgleich von dem Principe der Gleichstellung gefordert, nicht verlangt werden unter dem Vorwände, daß überhaupt dahin gestrebt werden müsse, den Religionsunterricht von der Schule auf die Eltern zu übertragen. Mag man es als einen Vorzug betrachten, den wir als Juden genießen, nicht zu einem Religionsunterrichte angehalten zu werden; wir sind so glücklich, im Besitze mehrerer solcher privilegia onerosa zu sein. Aber wo ein Recht erworben ist, muß es geschützt werden, bis die Gesetzgebung das Recht für Alle ändert, und es darf nicht der Shlbenstecherei und der Knickerei Weichen, mag diese auch von der Verwaltung vertreten sein. Ehedem fragte man bei den Kaiserkrönungen: ist ein Dalberg da? Wir fragen heute im Kaiserstaate: ist ein Kosch da? 11. März. 13. Strack's Prolegomena. Während in allen die Bibel behandelnden Werken unaufhörlich von dem bei uns geläufigen Texte als von dem ״rnaßorethischen" gesprochen wird, ist doch die Kenntniß der Maßorah den meisten, zumal christlichen, Gelehrten völlig fremd. Ein genaueres Eingehn auf den Text, wie er nach den wirklichen Angaben der Maßorah und nach guten Handschriften verlangt wird, eine Bekanntschaft