Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 140)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Umschau. 137 welche von Hrn. Sam. Schönblum in Lemberg zum Kaufe angeboten werden. Zum Theil nach Angaben des Besitzers verzeichnet von Mor. Steinschneider" in Berlin IV und 54 Seiten 8. lithographirt erschienen. Ein Catalog von Steinschn. bietet immer reiche Belehrung, und man staunt wahrhaft über diese eingehende Kenntniß der Bücher und Büchertheilchen, und seien es selbst die entlegensten Scharteken 1). Die Handschriften selbst, 146 an Anzahl, welche verzeichnet und dargeboten werden, werden von verschiedenen Standpunkten eine abweichende Beurtheilung erfahren. Dem Einen hat Alles Werth, was irgend einmal geschrieben worden, als Ausdruck der in seiner Zeit herrschenden Geistesrichtung, als Beitrag zur Literaturgeschichte; findet er nun Handschriftliches, das unedirt oder gar bisher unbekannt ist, so findet er darin eine Bereicherung der Wissenschaft. Von diesem Standpunkte aus betrachtet, sind nicht wenige hier verzeichnete Handschriften von Bedeutung. Andern hingegen erscheint Handschriftliches wie Gedrucktes nur dann der Beachtung würdig, wenn es wirklich innern Werth hat; sie glauben, wir hätten aus dem zahlreichen Schriftthume des Mittelalters, selbst wie es von nüchternen Gelehrten ausgegangen auf dem Gebiete der Halachah und Agadah, selbst auf den breitgetretenen Wegen der philosophischen Scholastik, schon des Segens genug, und sie sehnen sich nach einer weiteren Bereicherung dieser Literatur durchaus nicht. Sie würden daher es gar nicht ungern sehen, wenn sich diejenigen, welche sich zu ״Weckern der Entschlafenen" berufen fühlen, uns mit solchen werthlosen Productionen verschonten. Gilt es nun gar die *) Ich will hier nur einem möglichen Mißverständnisse begegnen. St. hebt aus einer kabbalistischen Sammelschrift, die hier mit N. 110 bezeichnet ist, auf S. 38 einen Ausspruch heraus, der ihm wohl besonders bemerkens- Werth erscheint, nämlich: אנלרר ח״זל בלח בלא חטא רעל ר עור עונלת בעטיו עול כחעו. Man ist versucht, die Stelle dahin zu deuten, es werde im Namen der alten Lehrer angegeben, daß ״Jesus" durch den Rath der Schlange gestorben, d. h. eigentlich selbst keine Sünde begangen habe, sondern blos durch die Schuld der von der Schlange veranlaßten ersten Sünde gestorben sei. Diese Behauptung wäre allerdings sehr auffallend, selbst in einer kabbalistischen Schrift, zumal wenn sie gar den Thalmudisten beigelegt wird. Allein in der That ist hier nicht die Rede von ׳׳עור, Jesus, sondern von 'ייבו׳, Isai, dem Vater David's, von dem dies die Thalmudisten wirklich aussagen (Schabbath 55 d. Baba Balhra 17 a).