Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 123)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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120 Umschau. wie genützt hat. Sicher wäre z. B. ohne die Handhabe dieser Massenanstalt das Grätz'sche Werk nicht zu diesem Haufen von dicken Bänden angeschwellt worden, hätte, auf den kleineren Kreis von Sachkennern beschränkt, sorgfältiger gearbeitet werden müssen, während es nun mit seinen schillernden Phrasen und seinen falschen Citaten Unkundige und Halbwisser vollständig irre führt. Was daraus wird, wenn ein solches Buch noch durch leichtfertige Uebersetzer übertragen wird, die blos etwa die Kenntniß der beiden Sprachen besitzen, ohne daß ein selbstständiges Eingehn ihnen möglich ist, die es nun noch mehr für die große Lesewelt zuschneiden und die angeblichen Begründungen weglassen —, das hat zur Genüge die französische Uebersetzung des ersten — beziehungsweise dritten — Bandes dieses Geschichtswerkes als abschreckendes Beispiel dargethanx), und wir müssen befürchten, daß eine für populäre Zwecke angelegte unselbstständige Uebertragung ins Englische für Nord-Amerika noch verkehrter ausfallen könnte. Was nun die Uebertragung meines ״Gabirol" betrifft, so kann mir die Befriedigung über die weitverbreitete Anerkennung, welche hiermit diesem Merkchen zu Theile wird, nicht die schweren Bedenken beseitigen, welche die Uebersetzung einer Schrift erweckt, die ihren wesentlichen Bestandtheilen nach sich aus dichterischen Nachbildüngen zusammensetzt. Um dem gebildeten Geschmacke zu genügen und den poetischen Duft, der sich um eine solche Arbeit legen muß, nicht ganz zu verwischen, bedarf es eines sehr befähigten, ungemein sprachgewandten Uebersetzers, der Lief in den Genius der deutschen Sprache eingedrungen ist, um nicht in Mißverständnisse zu verfallen, und mit dem Gegenstände der Behandlung selbst vertraut ist. Jedenfalls ist das Verlangen gerechtfertigt, daß meine Bemerkungen, die in dieser Ztschr. Bd. V S. 120 ff., namentlich von S. 130 an gemacht worden, nicht unberücksichtigt bleiben, und ich will gerne an dem Vertrauen festhalten, daß man es als Pflicht des Anstandes wie der Zweckmäßigkeit erkennen werde, sich mit dem Verfasser bei der Ausführung in Verbindung zu setzen. Kehren wir jedoch zu den zuerst ausgesprochenen Grundgedanken zurück. Man fördert geistiges Leben und geistige Bewegung auch für dieGesammtheitnur dann, wenn man dem ernsten wissen- ג) Kurze Andeutungen darüber sind in dieser Ztschr. Bd. V S. 265 f. und S. 275 ff. gegeben worden.